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Irina Kurbanova
Irina Kurbanova
Irina Kurbanova

Late Night: ich. MEDEA

Szenisches Projekt mit Irina Kurbanova und Johanna Freier
O Hassgeschöpf du, o am meisten feindseligste Frau, sowohl den Göttern als auch mir als auch dem ganzen menschlichen Geschlecht. (...) Zugrunde sollst du gehen! (Euripides, Medea)

Hexe, Racheengel, Kindermörderin. Seit der Antike finden wir diese Zuschreibungen immer wieder in der Kunst, die den Mythos um die Barbaren- und Königstocher aus Kolchis auch nach über zweitausend Jahren gerne aufgreift. Wie wird man zu dieser tragischen und zugleich heldenhaften Figur und was ist dran an dem Mythos, den Medea umgibt?

Zusammen mit Iason stiehlt sie ihrem Vater das Goldene Fließ, tötet ihren eigenen Bruder und flieht mit Iason nach Korinth, wo ihre Geschichte nicht minder blutig weitergeht. Als Iason sie für die Königstochter Glauke verlassen will, ersinnt sie kurzerhand einen Racheplan und tötet diese, zusammen mit ihren eigenen zwei Kindern. Mit diesem Akt bietet sie nicht nur Iason die Stirn, sondern dem ganzen politischen System des Stadtstaats Korinth, in den sie zuvor geflohen waren. Ungestraft kommt Medea davon und ihre Geschichte verliert sich in den verschiedenen Varianten der Erzählung in einer Flucht aus Korinth.

Vor allem in den letzten Jahrzehnten findet auch eine feministische Umdeutung, Aneignung und Umschreibung der Geschichte statt. Medea als die unmögliche Frau, die sich einem Leben in patriarchalen Machtstrukturen nicht unterordnen kann und will und letztendlich daran scheitert. So zu finden bei Christa Wolf, deren Medea eine unverstandene (Friedens-)Aktivistin ist, die dem dunklen Geheimnis ihres Exilstaates auf die Schliche kommt und daher beseitigt werden muss. Ihren Stempel als Mörderin erhält sie nicht durch die Tat, sondern durch gezielte Verleumdungskampagnen gegen sie.

In dieser Ambivalenz der Erzählungen bewegen wir uns und versuchen gleichzeitig, uns von ihr zu lösen. Entstanden ist dieses Stück als Suche nach einer Medea vor dem Mythos und vor den Geschichten, die sie umgeben. Begegnet sind wir dabei einer jungen Frau, die ihren Platz in der Welt erst noch finden muss und die sich heute, hier, wiederfindet und ihre Geschichte erzählt. Zukunft: ungewiss. Und voller Möglichkeiten.
Besetzung
Regie
Johanna Freier
http://www.volkstheater-rostock.de/ Volkstheater Rostock Patriotischer Weg 33, 18057 Rostock
Eintritt frei
So, 24.03. 17:30 Uhr  /
Kleines Foyer