Vorgestellt ... Alina Tkachuk

Sopranistin
Neu am Volkstheater Rostock und gleich als Gilda auf der Bühne: Die ukrainische Sopranistin Alina Tkachuk ist in dieser Spielzeit in Verdis Rigoletto zu erleben. Mit internationaler Bühnenerfahrung aus Europa und darüber hinaus bringt sie eine vielseitige künstlerische Laufbahn mit. Im Interview spricht sie über ihren Weg zur Oper, ihre Faszination für Gilda und darüber, was sie abseits der Bühne interessiert.
Ihre erste Rolle am Volkstheater ist die Partie der Gilda in Rigoletto. Was fasziniert Sie besonders an dieser Rolle?
Alina Tkachuk: An Gilda fasziniert mich vor allem die Verbindung von musikalischer Virtuosität und menschlicher Verletzlichkeit. Einerseits ist sie ein sehr junges, aufrichtiges Mädchen, das zum ersten Mal die Liebe und die große Welt entdeckt. Andererseits ist ihre Gesangspartie unglaublich anspruchsvoll und verlangt Leichtigkeit, Beweglichkeit und eine große Höhe.
Ich finde es spannend, dass Gilda nicht einfach nur ein naives Mädchen ist. Im Laufe der Oper macht sie eine starke emotionale Entwicklung durch und wird erwachsener. Für mich ist es besonders interessant, diesen Weg zu zeigen - von fast kindlicher Unschuld zu einer jungen Frau, die selbst Entscheidungen treffen und für einen anderen Menschen ein großes Opfer bringen kann.
Und natürlich gibt Verdis Musik der Sängerin sehr viel Raum für Emotionen. Diese Verbindung aus Virtuosität, musikalischer Dramatik und Aufrichtigkeit macht Gilda für mich besonders interessant.

Wie sind Sie zum Singen gekommen?
Ich glaube, ich habe eigentlich schon von Geburt an gesungen. Meine Mutter erzählt, dass ich im Krankenhaus das lauteste Baby war - und dass alle schon an meiner Stimme erkannten, wann ich zu ihr gebracht wurde. Als Kind habe ich ständig Vögel und andere Geräusche imitiert und eigentlich immer vor mich hingesungen.
Meine Mutter ist Pianistin, mein Vater ist Bauingenieur und außerdem professioneller Übersetzer für Italienisch, Spanisch und Portugiesisch. Musik und Sprachen waren also schon immer ein Teil meiner Familie.
Mit sieben Jahren begann ich an der Musikschule Klavier zu lernen. Gleichzeitig habe ich in der Schule bei Veranstaltungen und Wettbewerben gesungen. Im Chor wurde ich sehr oft als Solistin eingesetzt.
Nach der Schule hatte ich tatsächlich mehrere Möglichkeiten. Mein Vater wollte, dass ich Jura studiere, meine Mutter wollte, dass ich meine musikalische Ausbildung fortsetze und Pianistin werde. Ich selbst wollte damals sogar Programmiererin werden und habe Vorbereitungskurse in diesem Bereich besucht.
Aber irgendwann habe ich verstanden: Zur Programmierung könnte ich später immer noch zurückkehren, wenn ich möchte. Wenn ich aber die Musik jetzt aufgebe, könnte ich meine musikalischen Fähigkeiten verlieren. Deshalb habe ich mich für die Musik entschieden.
Am Konservatorium habe ich zunächst Chorleitung studiert, weil es dort auch eine Stunde Gesangsunterricht pro Woche gab. Die Gesangsabteilung wurde erst später eröffnet. Mein Lehrer hörte meine Stimme und begann, mich zu Gesangswettbewerben zu schicken. Ich habe mehrere Wettbewerbe gewonnen, darunter auch einen Grand Prix. Danach sagte mein Dirigierlehrer zu mir: Du solltest deiner Stimme wirklich mehr Aufmerksamkeit schenken.
So habe ich nach und nach verstanden, dass der Gesang mein Weg ist. Ich habe das Konservatorium mit Auszeichnung in drei Fächern abgeschlossen und bin anschließend nach Odessa gegangen, um Operngesang zu studieren und mich ganz auf meine Stimme zu konzentrieren.

Gibt es eine Traumrolle, die Sie unbedingt singen möchten?
Ich habe mehrere Traumrollen. Sehr gerne würde ich Violetta und Lucia singen - beide Partien passen sehr gut zu meiner Stimme und bieten die Möglichkeit, ganz unterschiedliche Seiten einer Sängerin zu zeigen.
Auch Elvira aus I Puritani interessiert mich sehr. Ich weiß natürlich, dass diese Partie extrem anspruchsvoll ist, aber gerade solche Herausforderungen reizen mich.
Gleichzeitig kann ich nicht sagen, dass es nur eine einzige Traumrolle gibt. Jedes Mal, wenn ich eine neue Partie kennenlerne, entdecke ich etwas Besonderes in ihr. Deshalb wird für mich jede neue Rolle auf ihre eigene Art zu einer kleinen Traumerfüllung.

Welchen Beruf hätten Sie gewählt, wenn Sie nicht Sängerin geworden wären?
Wahrscheinlich würde ich etwas im IT-Bereich machen - heute vielleicht eher Webdesign.
Ich habe schon immer gerne Dinge visuell gestaltet und mich für Design und Stil interessiert. Ich glaube, ich habe ein ziemlich starkes Gefühl für Ästhetik und mag es, Ideen in etwas Visuelles und Schönes zu verwandeln.
In einem anderen Leben wäre ich also vielleicht Webdesignerin geworden.

Welche Musik hören Sie privat?
Ich höre sehr unterschiedliche Musik - Jazz, Pop und manchmal einfach etwas, das gerade zu meiner Stimmung passt.
Oper höre ich zu Hause gar nicht so oft. Für mich ist Oper sehr stark mit meiner Arbeit verbunden. Wenn man den ganzen Tag singt, probt und über Musik nachdenkt, möchte man am Abend manchmal einfach etwas ganz Anderes hören.
Ein absolutes Lieblingslied habe ich wahrscheinlich nicht. Auf die Tanzfläche bringt mich aber definitiv gute, energiegeladene Musik - besonders die Musik, die ich im Fitnessstudio höre. Wenn der Rhythmus stimmt, kann ich nicht lange stillsitzen.

Was machen Sie, wenn Sie nicht auf der Bühne stehen?
Außerhalb der Bühne habe ich eigentlich ziemlich viele Dinge, die mich beschäftigen.
Seit Kurzem habe ich einige Gesangsschüler. Sie haben mich selbst darum gebeten, sie zu unterrichten. Im Moment sehe ich das eher als einen zusätzlichen Teil meines Lebens und weiß noch nicht, ob das irgendwann ein fester Bestandteil meiner beruflichen Tätigkeit wird.
Ich zeichne außerdem sehr gerne. Als Kind habe ich acht Jahre lang eine Kunstschule besucht, und heute zeichne ich einfach für mich selbst. Das ist eine schöne Möglichkeit, abzuschalten.
Und natürlich Sport. Früher habe ich chinesisches Boxen gemacht und war sogar ukrainische Meisterin. Später habe ich Pole Dance ausprobiert. Heute konzentriere ich mich hauptsächlich auf Fitness, Yoga und Stretching.
Sport ist für mich inzwischen weniger ein Wettbewerb als vielmehr ein Lebensstil. Er hilft mir, körperlich fit und energiegeladen zu bleiben und - was für meinen Beruf natürlich besonders wichtig ist – unterstützt mich auch bei der Arbeit mit meiner Stimme.

Wenn Sie sich in drei Worten beschreiben müssten …
Sportlich, ausdauernd und mega-kreativ.
Ich glaube, diese drei Wörter beschreiben mich ziemlich gut. Der Sport hat mir Disziplin und Ausdauer gegeben, die Bühne verlangt eine enorme körperliche und mentale Belastbarkeit und Kreativität ist für mich eigentlich die Grundlage von allem, was ich mache.

Ohne was könnten Sie nicht leben?
Wahrscheinlich ohne Musik.
Natürlich könnte ich sagen: ohne die Bühne, denn die Bühne ist wirklich ein sehr großer Teil meines Lebens. Aber wenn ich darüber genauer nachdenke, steht hinter der Bühne eigentlich die Musik.
Sie begleitet mich immer - bei der Arbeit, in meiner Stimmung, in meinen Erinnerungen und in den Momenten, in denen ich etwas ausdrücken oder einfach abschalten möchte. Deshalb kann ich mir ein Leben ohne Musik nicht vorstellen. Egal, ob Oper, Jazz, Pop oder etwas ganz Anderes - Musik gehört einfach zu meinem Leben.
Giuseppe Verdis Rigoletto feiert in einer Inszenierung von Christian Poewe am 2. Oktober Premiere im Großen Haus.