1. Philharmonisches Konzert / Schicksale
Violoncello: Raphaela Gromes
Leitung: Markus L. Frank
Felix Mendelssohn Bartholdy: Meeresstille und glückliche Fahrt Konzert-Ouvertüre op. 27
Maria Herz: Konzert für Violoncello und Orchester op. 10
Ernest Bloch: Schelomo Hebräische Rhapsodie für Violoncello und Orchester (1916)
Leonard Bernstein: Symphonische Tänze aus West Side Story (1960)
Maria Herz: Konzert für Violoncello und Orchester op. 10
Ernest Bloch: Schelomo Hebräische Rhapsodie für Violoncello und Orchester (1916)
Leonard Bernstein: Symphonische Tänze aus West Side Story (1960)
Meeresbrandung, unendliche Weite und spiegelglatte See - die Eröffnung der 130. Konzertsaison der Norddeutschen Philharmonie Rostock startet maritim: mit Felix Mendelssohn Bartholdys Ouvertüre Meeresstille und glückliche Fahrt. Bei deren musikalischer Darstellung ließ sich der in Hamburg geborene Romantiker von Goethes gleichnamigen Gedichten inspirieren.
Das Konzert ist die dritte Begegnung des Rostocker Orchesters mit der international gefeierten Cellistin Raphaela Gromes. Die vielfach ausgezeichnete Künstlerin widmet sich seit Jahren mit großer Leidenschaft Komponistinnen, zuletzt mit ihrem Album Femmes und dem Projekt Fortissima. Gromes spürt vergessene Werke von Frauen auf, so auch das 1930 entstandene Cellokonzert der aus einer jüdischen Kölner Familie stammenden Maria Herz. Ebenfalls von jüdischer Tradition geprägt ist Ernest Blochs Schelomo, in dem das konzertierende Cellosolo die Figur des weisen biblischen Königs Salomo verkörpert.
Auch Markus L. Frank, Generalmusikdirektor und Chefdirigent in Dessau, gastiert zum dritten Mal bei der Norddeutschen Philharmonie Rostock. Als Abschluss dirigiert er Leonard Bernsteins Symphonische Tänze mit Motiven aus dem legendären Musical West Side Story. Mit dieser fulminanten Suite aus Bernsteins Adaption von Shakespeares Liebestragödie Romeo und Julia, die während der New Yorker Straßenkämpfe der 1950er Jahre spielt, endet der Philharmonische Auftakt der Jubiläumssaison des Orchesters.
Das Konzert ist die dritte Begegnung des Rostocker Orchesters mit der international gefeierten Cellistin Raphaela Gromes. Die vielfach ausgezeichnete Künstlerin widmet sich seit Jahren mit großer Leidenschaft Komponistinnen, zuletzt mit ihrem Album Femmes und dem Projekt Fortissima. Gromes spürt vergessene Werke von Frauen auf, so auch das 1930 entstandene Cellokonzert der aus einer jüdischen Kölner Familie stammenden Maria Herz. Ebenfalls von jüdischer Tradition geprägt ist Ernest Blochs Schelomo, in dem das konzertierende Cellosolo die Figur des weisen biblischen Königs Salomo verkörpert.
Auch Markus L. Frank, Generalmusikdirektor und Chefdirigent in Dessau, gastiert zum dritten Mal bei der Norddeutschen Philharmonie Rostock. Als Abschluss dirigiert er Leonard Bernsteins Symphonische Tänze mit Motiven aus dem legendären Musical West Side Story. Mit dieser fulminanten Suite aus Bernsteins Adaption von Shakespeares Liebestragödie Romeo und Julia, die während der New Yorker Straßenkämpfe der 1950er Jahre spielt, endet der Philharmonische Auftakt der Jubiläumssaison des Orchesters.
Interview mit Raphaela Gromes
Als die wohl erfolgreichste deutsche Cellistin der Gegenwart bezeichnete das Rondo Magazin die gebürtige Münchnerin Raphaela Gromes, und die französische Fachzeitschrift Diapason bescheinigte ihrem Cellospiel Eleganz, Engagement, technische Perfektion, Ausdruckskraft, Variationsbreite in Dynamik und Vibrato: Hier fehlt es an nichts.
Zum dritten Mal folgt die Ausnahmecellistin, Exklusivkünstlerin bei Sony Classical, einer Rostocker Einladung. Diesmal wird sie neben Ernest Blochs Schelomo erstmals gemeinsam mit der Norddeutschen Philharmonie Rostock das Cellokonzert der jüdischen Komponistin Maria Herz musizieren.
Maria Herz spielt auch eine Rolle im Buch Fortissima! Verdrängte Komponistinnen und wie sie meinen Blick auf die Welt verändern, welches Raphaela Gromes 2025 veröffentlichte. Ihr literarischer Erstling ist eine Schatzsuche gegen das Vergessen und stellt brillante Komponistinnen der Musikgeschichte in den Fokus, als kurzweilige musikalisch-literarische Zeitreise voller biografischer Anekdoten, spannender Zusammenhänge, geschichtlicher Hintergründe.
Mit Mendelssohns Ouvertüre Meeresstille und glückliche Fahrt startet die Philharmonische Saisoneröffnung; Ernest Blochs Schelomo - ebenfalls mit Raphaela Gromes als Solistin - und Leonard Bernsteins symphonische Tänze zu West Side Story erklingen nach der Pause bei diesem von Markus L. Frank geleiteten Konzert, welches sich Komponist:innen aus dem jüdischen Kulturkreis widmet.
Für Ihre dritte Begegnung mit der Norddeutschen Philharmonie Rostock haben Sie sich das Cellokonzert der jüdischen Komponistin Maria Herz gewünscht. Erst 2024 spielten Sie die Erstaufführung dieser Wiederentdeckung. Wie haben Sie dieses vergessene Werk und diese bisher weitestgehend unbekannte Komponistin aufgespürt?
Raphaela Gromes: Eigentlich hat Maria Herz mich gefunden - und zwar in einem Moment, in dem das Programm meines Albums Fortissima fast vollständig feststand. Ich hatte nach dem Doppelalbum Femmes weiter nach großen Werken von Komponistinnen gesucht und wollte für Fortissima unbedingt auch Cellokonzerte von Komponistinnen aufnehmen. In dieser Zeit bekam ich völlig überraschend eine E-Mail mit der Betreffzeile Cellokonzert meiner Großmutter Maria Herz. Der Absender war Albert Herz, ihr Enkel. Er hatte im Radio von Femmes und meiner Suche nach vergessener Musik gehört und fragte mich, ob ich mir das Konzert seiner Großmutter ansehen würde.
Schon die Geschichte hinter dieser Nachricht hat mich tief berührt: Albert Herz hatte die Noten erst Jahrzehnte nach dem Tod seiner Großmutter auf dem Dachboden der Familie entdeckt. Er wusste lange Zeit selbst nicht, dass sie nicht nur Pianistin, sondern eine bedeutende Komponistin gewesen war. In der Familie war darüber praktisch nie gesprochen worden. Maria Herz war nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten zunächst nach England und später in die USA emigriert. Im Exil komponierte sie nicht mehr - sie verstummte vollständig.
Als ich dann die Partitur bekam und die Musik zum ersten Mal hörte, war ich sofort elektrisiert. Das Konzert war genau das Werk, nach dem ich gesucht hatte. Innerhalb kürzester Zeit war für mich klar: Auch dieses Konzert muss noch auf Fortissima aufgenommen werden.
Was zeichnet Maria Herz als Komponistin aus? Was schätzen Sie an ihrer Musik?
Maria Herz hat als Komponistin eine beeindruckende Entwicklung durchlaufen und dabei eine ganz eigene Klangsprache gefunden. Ihre Musik ist harmonisch kühn, modern und stilistisch kaum eindeutig einzuordnen. Man hört Einflüsse des Expressionismus, der Neuen Sachlichkeit und stellenweise auch neobarocker Strukturen - und dennoch klingt sie unverwechselbar nach Maria Herz.
Das Cellokonzert ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür. Das Cello übernimmt die Rolle eines Erzählers und führt durch das gesamte Werk. Maria Herz schenkt ihm gleich drei große Kadenzen, in denen das Soloinstrument immer wieder innehält und die musikalische Handlung allein weiterspinnt.
Mich fasziniert der enorme Spannungsbogen dieses Konzerts. Es beginnt voller innerer Unruhe, mit einer oft düsteren, suchenden Atmosphäre, die sich über das gesamte Werk immer weiter verdichtet. Am Ende entlädt sich diese Spannung in einem virtuosen, mitreißenden Freylekhs - einem jüdischen Tanz voller Energie und Lebensfreude. Gerade dieser Kontrast macht das Werk für mich so außergewöhnlich.
Ihre Musik ist anspruchsvoll und komplex, zugleich aber unmittelbar packend. Sie erzählt eine Geschichte und nimmt das Publikum mit ohne dabei je ihre eigene, unverwechselbare Sprache zu verlieren.
Kombiniert haben Sie das Konzert mit Ernest Blochs Schelomo. Welche Verbindungen zwischen beiden Werken haben Sie zu dieser Auswahl bewogen?
Zunächst sind es zwei Werke jüdischer Komponist:innen, die beide mit einer ungeheuren Intensität für das Cello geschrieben haben. Trotzdem wollte ich sie nicht einfach aufgrund ihrer jüdischen Herkunft miteinander kombinieren. Entscheidend ist für mich der musikalische Dialog, der zwischen ihnen entsteht und die Verwendung des Cellos als Erzähler in beiden Konzerten.
In Schelomo wird das Cello zur Stimme König Salomos: zu einer Stimme, die nachdenkt, zweifelt, klagt und nach Antworten sucht. Blochs Musik ist ungemein cineastisch. Sie erinnert mich oft an große Hollywood-Filmmusik - an diese weiten Klanglandschaften, die man vielleicht aus Star Wars oder anderen epischen Filmen kennt. Sie besitzt eine enorme Sogkraft und erzählt mit großen, unmittelbar berührenden Melodien.
Auch bei Maria Herz empfinde ich das Cello nicht in erster Linie als virtuoses Soloinstrument, sondern als menschliche Stimme, die sich gegen ein großes Orchester behaupten muss. Beide Werke stellen existenzielle Fragen, aber ihre musikalischen Sprachen sind vollkommen unterschiedlich.
Blochs Musik ist archaischer, bildhafter und unmittelbar mit der Gestalt Salomos und der jüdischen Überlieferung verbunden. Maria Herz schreibt abstrakter, moderner und vielleicht auch nervöser. Ihr Konzert ist keine ausdrücklich jüdische Programmmusik. Aber wenn man ihre Biografie kennt - ihren Erfolg in Köln, die Verfolgung, die Emigration und schließlich ihr Verstummen - hört man dieses Werk natürlich mit einem besonderen Bewusstsein.
Mich reizt außerdem, dass hier ein berühmtes Meisterwerk und eine beinahe verlorene Komposition gleichberechtigt nebeneinanderstehen. Schelomo kann nicht durch Maria Herz ersetzt werden, und Maria Herz muss sich nicht vor Schelomo verstecken. Beide Werke können sich gegenseitig beleuchten. Genau solche Verbindungen wünsche ich mir für das heutige Konzertleben: Bekanntes und Unbekanntes nicht voneinander zu trennen, sondern miteinander ins Gespräch zu bringen.
Mit welchen Gefühlen und Erwartungen reisen Sie nach Rostock?
Mit großer Vorfreude. Ich habe meine beiden bisherigen Konzerte in Rostock in sehr besonderer Erinnerung, weil sie beide intensive Erlebnisse waren. Das erste Mal durfte ich bei der Klassik-Nacht im Zoo Saint-Saëns’ Cellokonzert und Carmen Fantasie spielen - ein unvergesslicher Abend in magischer Atmosphäre. Das zweite Mal war das Elgar-Cellokonzert beim Abschlusskonzert der Saison, ein Werk, das mir sehr am Herzen liegt und das wir gemeinsam mit großer Intensität musiziert haben.
Ich habe das Gefühl, dass in diesen Konzerten eine besondere Verbindung entstanden ist - sowohl zum Orchester als auch zum Rostocker Publikum. Wenn man dann zurückkehren darf, fühlt sich das tatsächlich schon ein bisschen wie Heimkommen an, wie ein Wiedersehen mit Freund:innen.
Umso mehr freue ich mich, diesmal ein so außergewöhnliches Programm mitzubringen. Ich bin der Norddeutschen Philharmonie Rostock sehr dankbar für ihre Offenheit und Neugier, sich auf zwei Werke einzulassen, die beide enorme Anforderungen an das Orchester stellen und auch im Zusammenspiel mit dem Solocello ausgesprochen anspruchsvoll sind. Solche Programme entstehen nur, wenn alle Beteiligten bereit sind, gemeinsam auf Entdeckungsreise zu gehen und sich intensiv mit einer Partitur auseinanderzusetzen. Ich freue mich deshalb sehr auf die Proben - und darauf, diese beiden faszinierenden Werke anschließend gemeinsam mit dem Publikum zu erleben.
Zum dritten Mal folgt die Ausnahmecellistin, Exklusivkünstlerin bei Sony Classical, einer Rostocker Einladung. Diesmal wird sie neben Ernest Blochs Schelomo erstmals gemeinsam mit der Norddeutschen Philharmonie Rostock das Cellokonzert der jüdischen Komponistin Maria Herz musizieren.
Maria Herz spielt auch eine Rolle im Buch Fortissima! Verdrängte Komponistinnen und wie sie meinen Blick auf die Welt verändern, welches Raphaela Gromes 2025 veröffentlichte. Ihr literarischer Erstling ist eine Schatzsuche gegen das Vergessen und stellt brillante Komponistinnen der Musikgeschichte in den Fokus, als kurzweilige musikalisch-literarische Zeitreise voller biografischer Anekdoten, spannender Zusammenhänge, geschichtlicher Hintergründe.
Mit Mendelssohns Ouvertüre Meeresstille und glückliche Fahrt startet die Philharmonische Saisoneröffnung; Ernest Blochs Schelomo - ebenfalls mit Raphaela Gromes als Solistin - und Leonard Bernsteins symphonische Tänze zu West Side Story erklingen nach der Pause bei diesem von Markus L. Frank geleiteten Konzert, welches sich Komponist:innen aus dem jüdischen Kulturkreis widmet.
Für Ihre dritte Begegnung mit der Norddeutschen Philharmonie Rostock haben Sie sich das Cellokonzert der jüdischen Komponistin Maria Herz gewünscht. Erst 2024 spielten Sie die Erstaufführung dieser Wiederentdeckung. Wie haben Sie dieses vergessene Werk und diese bisher weitestgehend unbekannte Komponistin aufgespürt?
Raphaela Gromes: Eigentlich hat Maria Herz mich gefunden - und zwar in einem Moment, in dem das Programm meines Albums Fortissima fast vollständig feststand. Ich hatte nach dem Doppelalbum Femmes weiter nach großen Werken von Komponistinnen gesucht und wollte für Fortissima unbedingt auch Cellokonzerte von Komponistinnen aufnehmen. In dieser Zeit bekam ich völlig überraschend eine E-Mail mit der Betreffzeile Cellokonzert meiner Großmutter Maria Herz. Der Absender war Albert Herz, ihr Enkel. Er hatte im Radio von Femmes und meiner Suche nach vergessener Musik gehört und fragte mich, ob ich mir das Konzert seiner Großmutter ansehen würde.
Schon die Geschichte hinter dieser Nachricht hat mich tief berührt: Albert Herz hatte die Noten erst Jahrzehnte nach dem Tod seiner Großmutter auf dem Dachboden der Familie entdeckt. Er wusste lange Zeit selbst nicht, dass sie nicht nur Pianistin, sondern eine bedeutende Komponistin gewesen war. In der Familie war darüber praktisch nie gesprochen worden. Maria Herz war nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten zunächst nach England und später in die USA emigriert. Im Exil komponierte sie nicht mehr - sie verstummte vollständig.
Als ich dann die Partitur bekam und die Musik zum ersten Mal hörte, war ich sofort elektrisiert. Das Konzert war genau das Werk, nach dem ich gesucht hatte. Innerhalb kürzester Zeit war für mich klar: Auch dieses Konzert muss noch auf Fortissima aufgenommen werden.
Was zeichnet Maria Herz als Komponistin aus? Was schätzen Sie an ihrer Musik?
Maria Herz hat als Komponistin eine beeindruckende Entwicklung durchlaufen und dabei eine ganz eigene Klangsprache gefunden. Ihre Musik ist harmonisch kühn, modern und stilistisch kaum eindeutig einzuordnen. Man hört Einflüsse des Expressionismus, der Neuen Sachlichkeit und stellenweise auch neobarocker Strukturen - und dennoch klingt sie unverwechselbar nach Maria Herz.
Das Cellokonzert ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür. Das Cello übernimmt die Rolle eines Erzählers und führt durch das gesamte Werk. Maria Herz schenkt ihm gleich drei große Kadenzen, in denen das Soloinstrument immer wieder innehält und die musikalische Handlung allein weiterspinnt.
Mich fasziniert der enorme Spannungsbogen dieses Konzerts. Es beginnt voller innerer Unruhe, mit einer oft düsteren, suchenden Atmosphäre, die sich über das gesamte Werk immer weiter verdichtet. Am Ende entlädt sich diese Spannung in einem virtuosen, mitreißenden Freylekhs - einem jüdischen Tanz voller Energie und Lebensfreude. Gerade dieser Kontrast macht das Werk für mich so außergewöhnlich.
Ihre Musik ist anspruchsvoll und komplex, zugleich aber unmittelbar packend. Sie erzählt eine Geschichte und nimmt das Publikum mit ohne dabei je ihre eigene, unverwechselbare Sprache zu verlieren.
Kombiniert haben Sie das Konzert mit Ernest Blochs Schelomo. Welche Verbindungen zwischen beiden Werken haben Sie zu dieser Auswahl bewogen?
Zunächst sind es zwei Werke jüdischer Komponist:innen, die beide mit einer ungeheuren Intensität für das Cello geschrieben haben. Trotzdem wollte ich sie nicht einfach aufgrund ihrer jüdischen Herkunft miteinander kombinieren. Entscheidend ist für mich der musikalische Dialog, der zwischen ihnen entsteht und die Verwendung des Cellos als Erzähler in beiden Konzerten.
In Schelomo wird das Cello zur Stimme König Salomos: zu einer Stimme, die nachdenkt, zweifelt, klagt und nach Antworten sucht. Blochs Musik ist ungemein cineastisch. Sie erinnert mich oft an große Hollywood-Filmmusik - an diese weiten Klanglandschaften, die man vielleicht aus Star Wars oder anderen epischen Filmen kennt. Sie besitzt eine enorme Sogkraft und erzählt mit großen, unmittelbar berührenden Melodien.
Auch bei Maria Herz empfinde ich das Cello nicht in erster Linie als virtuoses Soloinstrument, sondern als menschliche Stimme, die sich gegen ein großes Orchester behaupten muss. Beide Werke stellen existenzielle Fragen, aber ihre musikalischen Sprachen sind vollkommen unterschiedlich.
Blochs Musik ist archaischer, bildhafter und unmittelbar mit der Gestalt Salomos und der jüdischen Überlieferung verbunden. Maria Herz schreibt abstrakter, moderner und vielleicht auch nervöser. Ihr Konzert ist keine ausdrücklich jüdische Programmmusik. Aber wenn man ihre Biografie kennt - ihren Erfolg in Köln, die Verfolgung, die Emigration und schließlich ihr Verstummen - hört man dieses Werk natürlich mit einem besonderen Bewusstsein.
Mich reizt außerdem, dass hier ein berühmtes Meisterwerk und eine beinahe verlorene Komposition gleichberechtigt nebeneinanderstehen. Schelomo kann nicht durch Maria Herz ersetzt werden, und Maria Herz muss sich nicht vor Schelomo verstecken. Beide Werke können sich gegenseitig beleuchten. Genau solche Verbindungen wünsche ich mir für das heutige Konzertleben: Bekanntes und Unbekanntes nicht voneinander zu trennen, sondern miteinander ins Gespräch zu bringen.
Mit welchen Gefühlen und Erwartungen reisen Sie nach Rostock?
Mit großer Vorfreude. Ich habe meine beiden bisherigen Konzerte in Rostock in sehr besonderer Erinnerung, weil sie beide intensive Erlebnisse waren. Das erste Mal durfte ich bei der Klassik-Nacht im Zoo Saint-Saëns’ Cellokonzert und Carmen Fantasie spielen - ein unvergesslicher Abend in magischer Atmosphäre. Das zweite Mal war das Elgar-Cellokonzert beim Abschlusskonzert der Saison, ein Werk, das mir sehr am Herzen liegt und das wir gemeinsam mit großer Intensität musiziert haben.
Ich habe das Gefühl, dass in diesen Konzerten eine besondere Verbindung entstanden ist - sowohl zum Orchester als auch zum Rostocker Publikum. Wenn man dann zurückkehren darf, fühlt sich das tatsächlich schon ein bisschen wie Heimkommen an, wie ein Wiedersehen mit Freund:innen.
Umso mehr freue ich mich, diesmal ein so außergewöhnliches Programm mitzubringen. Ich bin der Norddeutschen Philharmonie Rostock sehr dankbar für ihre Offenheit und Neugier, sich auf zwei Werke einzulassen, die beide enorme Anforderungen an das Orchester stellen und auch im Zusammenspiel mit dem Solocello ausgesprochen anspruchsvoll sind. Solche Programme entstehen nur, wenn alle Beteiligten bereit sind, gemeinsam auf Entdeckungsreise zu gehen und sich intensiv mit einer Partitur auseinanderzusetzen. Ich freue mich deshalb sehr auf die Proben - und darauf, diese beiden faszinierenden Werke anschließend gemeinsam mit dem Publikum zu erleben.