Baltic Perspectives
Mit dem Abend Perspectives hat die Tanzcompagnie des Volkstheaters 2024 buchstäblich Perspektiven eröffnet: Mehrere Choreografie-Sprachen, spannende Geschichten und unterschiedliche Tanzstile sind zu einem Programm verschmolzen. Auf diesem Konzept baut die neue Tanzproduktion auf. Für Baltic Perspectives vernetzt sich das Ensemble mit jungen Choreografinnen aus den Tanzhochschulen in Kopenhagen und Helsinki. Denn rund um die Ostsee pulsiert die Tanzszene besonders lebendig. Zusammen mit einer Arbeit von Corinne Kälin, die bereits in Perspectives als Choreografin tätig war, gestaltet die internationale Compagnie ein nordisches Kaleidoskop. Eine Premiere - drei choreografische Neuschöpfungen - höchste Virtuosität verschiedenster Tanzstile, alles in allem: prickelnde Perspektiven.
Im Interview geben Corinne Kälin, Carla Anacker und Cindy Ng Einblicke in ihre Arbeit
Wofür steht Baltic Perspectives und was bedeutet das Projekt für Sie?
Corinne Kälin: Für Baltic Perspectives haben wir alle die Aufgabe, ein Stück mit gewissen Einflüssen der baltischen Region zu kreieren. Das kann sich choreografisch, musikalisch, durch das Bühnenbild oder durch Lichtstimmungen widerspiegeln. Für mich persönlich ist es der erste Tanzabend, für den ich als freischaffende Künstlerin eine Choreografie entwickeln darf. Das ist ein großer Schritt und ich fühle mich sehr geehrt, diese Möglichkeit zu erhalten. Ich wünsche mir, mit meiner Arbeit Menschen zu berühren, Verbindungen zu schaffen und Raum für unterschiedliche Perspektiven und Emotionen zu öffnen.
Cindy Ng: Baltic Perspectives ist eine Chance, mich an bedeutsamen interkulturellen Dialogen mittels Choreografie zu beteiligen. Als malaysische Künstlerin mit Sitz in Finnland bin ich sehr daran interessiert, inwiefern verschiedene kulturelle Kontexte die Art und Weise wie wir uns bewegen, wie wir kreieren und kollaborieren formen. Dieses Projekt bietet einen Raum für künstlerischen Austausch, wobei meine Arbeit durch die Erfahrungen, Perspektiven und die Stimmen der Tänzer:innen sowie der lokalen Gemeinschaft wachsen kann.
Carla Anacker: Das Projekt verbinde ich vor allem mit der Ostsee. Das sind Kindheitserinnerungen an Tagesausflüge von Berlin an den Strand nach Warnemünde und die zweistündige Fährfahrt zwischen Gedser und Rostock auf dem Weg zwischen meinem Wohnort Kopenhagen und meiner Heimat Berlin in den letzten Jahren. Das Meer lädt mich zum Gedankenschweifen und Nichtstun ein, dazu den Blick wandern zu lassen oder Augen zu schließen.
Was können Sie über Ihre Choreografien verraten?
Kälin: Meine Choreografie ist ein Tanzsolo, das die surreale und oft absurde Natur des Träumens erforscht und untersucht, wie sich Emotionen, Erinnerungen und innere Bilder durch Bewegung, Klang und Objekte auf der Bühne verkörpern lassen. Außerdem integriere ich Musik von Komponistinnen aus der baltischen Region.
Ng: Can't get ____ out of my head ist eine transkulturelle Tanzperformance, die das malaysische Spiel Congkak als choreografisches Mittel entdeckt. Durch Spiel, Regeln und Interaktion lädt die Arbeit die Performenden dazu ein, Bewegungen auszuprobieren und gemeinsam neue Möglichkeiten zu entdecken. Für Baltic Perspectives sehe ich den baltischen Einfluss als etwas, mit dem man sich durch Kollaboration anstatt von Repräsentation auseinandersetzt. Mit der Tanzcompagnie des Volkstheaters zu arbeiten bietet die Chance, die Erfahrungen, Bewegungsqualitäten und lokalen Kontexte der Tänzer:innen mit meiner südostasiatischen Perspektive und meiner westlich geprägten Ausbildung zu verknüpfen, sodass sich die Choreografie durch interkulturellen Austausch und gegenseitige Neugier entfalten kann.
Anacker: Stellen Sie sich vor: Am Strand liegen Leute, die sich nicht kennen, Decke an Decke, und geben sich der Schwerkraft hin. Auf der Fähre, ganz ähnlich wie am Strand, eingehüllt von Meer und begleitet vom stetigen Gleiten der Fähre, machen ganz unterschiedliche Leute nebeneinanderher scheinbar gar nichts. Scheinbar, denn eigentlich passiert nicht wenig - eine Person schnarcht, drei Leute greifen in unterschiedlichen Rhythmen in ihre Chips-Tüten, unten gehen wegen Wellengang die Alarmanlagen der Autos an. In beiden Situationen wird derselbe Ort geteilt und doch sind alle irgendwie anderswo. Für mich ist das ein sehr poetischer Zustand. Die Personen, Bewegungen und Handlungen haben keinen direkten Bezug zueinander, aber choreografisch betrachtet, entfaltet sich an diesen Orten eine zarte Komposition aus Details, Gleichzeitigkeit und Kontrasten. Mein Stück Anderswo und ist von ebendiesem Zustand inspiriert.
Was schätzen Sie an der internationalen Zusammenarbeit?
Kälin: Die internationale Zusammenarbeit macht den Tanzabend vielseitig und spannend, weil unterschiedliche Bewegungssprachen und künstlerische Handschriften aufeinandertreffen. Ich schätze die offene und unkomplizierte Zusammenarbeit im Team und freue mich, Teil dieses Projekts zu sein und den Abend gemeinsam zu gestalten.
Ng: Was ich am meisten schätze, ist die Möglichkeit für einen tiefgründigen künstlerischen Dialog auf Basis verschiedener kultureller und choreografischer Hintergründe. Durch meine Zeit in Asien und Europa habe ich erfahren dürfen, wie internationale Kollaboration unseren Horizont in Bezug auf das Kreieren und die Kommunikation durch Bewegung erweitert. Ich betrachte dieses Projekt als einen Weg, um von den Tänzer:innen und der lokalen Künstler:innen-Szene zu lernen und dabei meine eigenen Perspektiven einzubringen. Für mich ist der gesamte Schaffensprozess und der interkulturelle Dialog genauso wichtig wie die finale Aufführung.
Anacker: Als sich gerade im Abschluss des Masters befindende Choreografin erhalte ich wertvolle Einblicke in den Berufsalltag als Choreografin einer Tanzcompagnie an einem deutschen Theater. Die Internationalität des Teams ist ebenfalls sehr inspirierend. Da ein Großteil meiner Arbeit aus Zuhören und Zuschauen besteht und meine Arbeit am Volkstheater Rostock sehr auf den persönlichen Bewegungen der Tänzer:innen basiert, lerne ich sehr viel. Ich arbeite für Anderswo auch intensiv mit dem Pianisten und Komponisten John R. Carlson zusammen. Diese Zusammenarbeit sowie die zwischen Tanz und Musik ist besonders inspirierend.
Corinne Kälin: Für Baltic Perspectives haben wir alle die Aufgabe, ein Stück mit gewissen Einflüssen der baltischen Region zu kreieren. Das kann sich choreografisch, musikalisch, durch das Bühnenbild oder durch Lichtstimmungen widerspiegeln. Für mich persönlich ist es der erste Tanzabend, für den ich als freischaffende Künstlerin eine Choreografie entwickeln darf. Das ist ein großer Schritt und ich fühle mich sehr geehrt, diese Möglichkeit zu erhalten. Ich wünsche mir, mit meiner Arbeit Menschen zu berühren, Verbindungen zu schaffen und Raum für unterschiedliche Perspektiven und Emotionen zu öffnen.
Cindy Ng: Baltic Perspectives ist eine Chance, mich an bedeutsamen interkulturellen Dialogen mittels Choreografie zu beteiligen. Als malaysische Künstlerin mit Sitz in Finnland bin ich sehr daran interessiert, inwiefern verschiedene kulturelle Kontexte die Art und Weise wie wir uns bewegen, wie wir kreieren und kollaborieren formen. Dieses Projekt bietet einen Raum für künstlerischen Austausch, wobei meine Arbeit durch die Erfahrungen, Perspektiven und die Stimmen der Tänzer:innen sowie der lokalen Gemeinschaft wachsen kann.
Carla Anacker: Das Projekt verbinde ich vor allem mit der Ostsee. Das sind Kindheitserinnerungen an Tagesausflüge von Berlin an den Strand nach Warnemünde und die zweistündige Fährfahrt zwischen Gedser und Rostock auf dem Weg zwischen meinem Wohnort Kopenhagen und meiner Heimat Berlin in den letzten Jahren. Das Meer lädt mich zum Gedankenschweifen und Nichtstun ein, dazu den Blick wandern zu lassen oder Augen zu schließen.
Was können Sie über Ihre Choreografien verraten?
Kälin: Meine Choreografie ist ein Tanzsolo, das die surreale und oft absurde Natur des Träumens erforscht und untersucht, wie sich Emotionen, Erinnerungen und innere Bilder durch Bewegung, Klang und Objekte auf der Bühne verkörpern lassen. Außerdem integriere ich Musik von Komponistinnen aus der baltischen Region.
Ng: Can't get ____ out of my head ist eine transkulturelle Tanzperformance, die das malaysische Spiel Congkak als choreografisches Mittel entdeckt. Durch Spiel, Regeln und Interaktion lädt die Arbeit die Performenden dazu ein, Bewegungen auszuprobieren und gemeinsam neue Möglichkeiten zu entdecken. Für Baltic Perspectives sehe ich den baltischen Einfluss als etwas, mit dem man sich durch Kollaboration anstatt von Repräsentation auseinandersetzt. Mit der Tanzcompagnie des Volkstheaters zu arbeiten bietet die Chance, die Erfahrungen, Bewegungsqualitäten und lokalen Kontexte der Tänzer:innen mit meiner südostasiatischen Perspektive und meiner westlich geprägten Ausbildung zu verknüpfen, sodass sich die Choreografie durch interkulturellen Austausch und gegenseitige Neugier entfalten kann.
Anacker: Stellen Sie sich vor: Am Strand liegen Leute, die sich nicht kennen, Decke an Decke, und geben sich der Schwerkraft hin. Auf der Fähre, ganz ähnlich wie am Strand, eingehüllt von Meer und begleitet vom stetigen Gleiten der Fähre, machen ganz unterschiedliche Leute nebeneinanderher scheinbar gar nichts. Scheinbar, denn eigentlich passiert nicht wenig - eine Person schnarcht, drei Leute greifen in unterschiedlichen Rhythmen in ihre Chips-Tüten, unten gehen wegen Wellengang die Alarmanlagen der Autos an. In beiden Situationen wird derselbe Ort geteilt und doch sind alle irgendwie anderswo. Für mich ist das ein sehr poetischer Zustand. Die Personen, Bewegungen und Handlungen haben keinen direkten Bezug zueinander, aber choreografisch betrachtet, entfaltet sich an diesen Orten eine zarte Komposition aus Details, Gleichzeitigkeit und Kontrasten. Mein Stück Anderswo und ist von ebendiesem Zustand inspiriert.
Was schätzen Sie an der internationalen Zusammenarbeit?
Kälin: Die internationale Zusammenarbeit macht den Tanzabend vielseitig und spannend, weil unterschiedliche Bewegungssprachen und künstlerische Handschriften aufeinandertreffen. Ich schätze die offene und unkomplizierte Zusammenarbeit im Team und freue mich, Teil dieses Projekts zu sein und den Abend gemeinsam zu gestalten.
Ng: Was ich am meisten schätze, ist die Möglichkeit für einen tiefgründigen künstlerischen Dialog auf Basis verschiedener kultureller und choreografischer Hintergründe. Durch meine Zeit in Asien und Europa habe ich erfahren dürfen, wie internationale Kollaboration unseren Horizont in Bezug auf das Kreieren und die Kommunikation durch Bewegung erweitert. Ich betrachte dieses Projekt als einen Weg, um von den Tänzer:innen und der lokalen Künstler:innen-Szene zu lernen und dabei meine eigenen Perspektiven einzubringen. Für mich ist der gesamte Schaffensprozess und der interkulturelle Dialog genauso wichtig wie die finale Aufführung.
Anacker: Als sich gerade im Abschluss des Masters befindende Choreografin erhalte ich wertvolle Einblicke in den Berufsalltag als Choreografin einer Tanzcompagnie an einem deutschen Theater. Die Internationalität des Teams ist ebenfalls sehr inspirierend. Da ein Großteil meiner Arbeit aus Zuhören und Zuschauen besteht und meine Arbeit am Volkstheater Rostock sehr auf den persönlichen Bewegungen der Tänzer:innen basiert, lerne ich sehr viel. Ich arbeite für Anderswo auch intensiv mit dem Pianisten und Komponisten John R. Carlson zusammen. Diese Zusammenarbeit sowie die zwischen Tanz und Musik ist besonders inspirierend.
Das Interview führte Maja Sophie Klein.
Besetzung
Choreografie
Carla Anacker (Kopenhagen), Cindy Ng (Helsinki), Corinne Kälin (Rostock)
Bühne