Foto: Sandra Vijandi

7. Philharmonisches Konzert / Tanz in den Tod

Peter Tschaikowsky, Sergej Prokofjew

Leitung: Francesco Ommassini
Violine: Kristīne Balanas
Norddeutsche Philharmonie Rostock

Peter Tschaikowsky: Konzert für Violine und Orchester D-Dur op. 35
Sergej Prokofjew: Romeo und Julia Suiten Nr. 1 op. 64a + Nr. 2 op. 64b

Peter Tschaikowskys einziges Violinkonzert gehört heute zu den bekanntesten Werken des romantischen Repertoires, obwohl es anfangs als unspielbar galt. Erst Adolf Brodsky wagte sich 1881 in Wien an die Uraufführung, woraufhin der Komponist ihm das Konzert widmete. Die Musik verbindet mitreißende Klänge und emotionale Tiefe und erfordert exzellentes Können auf dem Instrument.
Zu Gast ist die lettische Geigerin Kristīne Balanas, die sich von einer Straßen- und Rockmusikerin zu einer weltbekannten Violinistin entwickelte und vom Times Magazin für ihre atemberaubende Virtuosität gelobt wurde. Ihr außergewöhnliches Spiel verspricht eine packende Interpretation dieses Meisterwerks.
Aus Prokofjews dramatischem Ballett Romeo und Julia, welches die berühmte Liebesgeschichte erzählt, erklingen zwei Suiten, die der Komponist für den Konzertsaal zusammengestellt hat. Der venezianische Dirigent Francesco Ommassini leitet die drei Abende.
Interview mit Violinistin Kristīne Balanas
Von Straßenmusik und Rockgesang auf die großen Konzertbühnen der Klassik: Wann haben Sie gemerkt, dass Sie diesen Weg gehen möchten?
Kristīne Balanas: Als ich in der Altstadt von Riga Geige gespielt habe, um Geld für Meisterkurse und Wettbewerbe zu verdienen, und bei verschiedensten Anlässen gesungen habe, spürte ich eine unglaubliche Freiheit und Unabhängigkeit. Diese Erfahrung hatte etwas Unmittelbares und Unverfälschtes: Man war ganz allein dafür verantwortlich, den Moment entstehen zu lassen, Aufmerksamkeit zu gewinnen und die Menschen dazu zu bringen, stehen zu bleiben und zuzuhören.
Als ich dann zum ersten Mal mit einem Orchester auf der Bühne stand, wurde mir klar, dass auch klassische Musik genau diese Freiheit schenken kann - auf einer viel tieferen emotionalen Ebene.

Die Erfahrung als Straßenmusikerin hat Ihre Verbindung zum Publikum geprägt. Wie zeigt sich das heute?
Auf der Straße hat man nur ein paar Sekunden, um die Aufmerksamkeit der Menschen zu gewinnen - und wenn man nichts Echtes vermittelt, gehen sie einfach weiter. Es gibt keinen höflichen Applaus, keine Verpflichtung - ein schonungsloser Realitätscheck.
Diese Erfahrung hat mich tief geprägt. Selbst in den renommiertesten Sälen spiele ich so, als wollte ich genau diese eine Person erreichen, die eigentlich gar nicht vorhatte stehen zu bleiben und zuzuhören. Ich versuche immer, eine Geschichte zu erzählen, etwas entstehen zu lassen, das spontan und lebendig wirkt. Für mich sollte ein Auftritt direkt sein, verletzlich - und vor allem menschlich.

Sie setzen sich aktiv dafür ein, klassische Musik einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Was wünschen Sie sich für die Zukunft der klassischen Musik?
Ich hoffe, dass die klassische Musik zugänglicher wird - ohne dabei an Tiefe oder künstlerischen Maßstäben zu verlieren. Die Musik selbst muss sich nicht verändern, wohl aber die Atmosphäre, die sie umgibt. Zu oft haben Menschen das Gefühl, sie bräuchten Vorwissen oder einen bestimmten kulturellen Hintergrund, um einen Konzertsaal betreten zu dürfen. Genau das können wir verändern.
Meine Generation weiß, dass echte Verbindung bewusst gestaltet werden muss. Wir können offener darüber sprechen, warum wir bestimmte Werke auswählen, welche persönliche Bedeutung sie für uns haben, und Konzerte so gestalten, dass sie wie ein wirklicher Dialog wirken - nicht wie eine distanzierte Darbietung. Für mich geht es dabei um Ehrlichkeit und Unmittelbarkeit.
Klassische Musik ist voller menschlicher Dramatik und Emotion. Wenn wir das klar und direkt vermitteln, wird sie ganz selbstverständlich ein breiteres Publikum erreichen.

Warum spricht Tschaikowskys Violinkonzert auch Menschen an, die sonst wenig klassische Musik hören?
Es berührt so tief, weil es sich vollkommen aufrichtig anfühlt. Die Emotionen sind offen, verletzlich und unmittelbar.
Man muss seine formale Struktur nicht verstehen, um Zugang zu finden. Das Werk spricht in einer Sprache, die wir alle kennen: Sehnsucht, Intensität, Liebe und Schmerz. Es erreicht die Menschen ganz einfach, indem es sie einlädt, die Musik zu fühlen.

Was fasziniert Sie persönlich an diesem Violinkonzert? Und was möchten Sie dem Publikum mit Ihrer Interpretation vermitteln?
Für mich verlangt dieses Konzert von der Solistin eine völlige emotionale Offenheit. Es gibt Momente großer Zartheit und andere von wilder Virtuosität - doch unter allem liegt etwas zutiefst Menschliches.
Wenn ich es spiele, versuche ich, die feurige Brillanz mit einer gewissen Innenschau auszubalancieren. Es soll nicht bloß eine Demonstration technischer Fähigkeiten sein, sondern sich wie eine Geschichte anfühlen, die sich im Augenblick entfaltet. Ich wünsche mir, dass das Publikum den Saal mit dem Gefühl verlässt, etwas Persönliches und Intimes erlebt zu haben.

Wo liegt für Sie die größte Herausforderung in diesem Werk?
Wirklich anspruchsvoll ist es, den emotionalen Bogen vom ersten bis zum letzten Ton zu tragen, ohne dass die Spannung nachlässt. Gleichzeitig muss die Musik lebendig bleiben. Selbst Passagen, die man über Jahre hinweg geübt hat, sollen sich so anfühlen, als würden sie genau in diesem Augenblick neu entstehen. Es geht immer darum, diese fragile Balance zu finden - zwischen Struktur und Freiheit, zwischen absoluter Kontrolle und dem Mut, sich im richtigen Moment ganz fallen zu lassen.

Wenn Sie an die Konzerte in Rostock denken: Worauf freuen Sie sich am meisten?
Ich spüre echte Vorfreude. Ich habe in Rostock vor vielen Jahren studiert, und diese Zeit war ein sehr wichtiger Abschnitt meines musikalischen Lebens.
Umso mehr freue ich mich, in die Stadt zurückzukehren und dort aufzutreten - ich kann es kaum erwarten, die Musik mit dem Publikum zu teilen!
Besetzung
Leitung
Francesco Ommassini
Violine
Kristīne Balanas
Norddeutsche Philharmonie Rostock
http://www.volkstheater-rostock.de/ Volkstheater Rostock Patriotischer Weg 33, 18057 Rostock
So, 29.03. 18:00 Uhr  /
Großes Haus
17:30 UHR /
EINFÜHRUNG
http://www.volkstheater-rostock.de/ Volkstheater Rostock Patriotischer Weg 33, 18057 Rostock
Mo, 30.03. 18:00 Uhr  /
Großes Haus
17:30 UHR /
EINFÜHRUNG
http://www.volkstheater-rostock.de/ Volkstheater Rostock Patriotischer Weg 33, 18057 Rostock
Di, 31.03. 19:30 Uhr  /
Großes Haus
19:00 UHR /
EINFÜHRUNG