5. Philharmonisches Konzert /
Schätze
Leitung: Marcus Bosch
Klavier: Oliver Triendl
Sopran: Tineke Van Ingelgem
Norddeutsche Philharmonie Rostock
Johannes Brahms: Ungarische Tänze Nr. 1 g-Moll + Nr. 3 F-Dur + Nr. 10 F-Dur (1873)
Hermann Grädener: Konzert für Klavier und Orchester d-Moll op. 20
Mathilde Kralik von Meyrswalden: Hymnische Symphonie (1903/1942)
Hermann Grädener: Konzert für Klavier und Orchester d-Moll op. 20
Mathilde Kralik von Meyrswalden: Hymnische Symphonie (1903/1942)
In Wien führten ihre Wege zusammen - die der Komponist:innen Mathilde Kralik von Meyrswalden, Johannes Brahms und Hermann Grädener. Aus Linz war Frau Kralik von Meyrswalden, die Tochter eines aus Böhmen stammenden Glasindustriellen, in die Musikmetropole gekommen. Die beiden etwas älteren Herren stammten aus Norddeutschland: Brahms bekanntermaßen aus Hamburg und Grädener aus Kiel. Grädeners in Rostock geborener Vater Carl Georg pflegte besten Kontakt zu den Größen der Musikwelt. So machte selbst Clara Schumann auf ihren Reisen Station bei den Grädeners. Hermann Grädener wiederum gehörte dann in Wien zum Freundeskreis von Johannes Brahms. Sein Klavierkonzert, geschrieben in den 1880er-Jahren, zählt zu den Entdeckungen, denen Pianist Oliver Triendl seit Jahren auf der Spur ist.
Auch die spätromantische Symphonie der hochbegabten und von Zeitgenossen bewunderten Bruckner-Schülerin Mathilde Kralik von Meyrswalden gilt als besondere Rarität. Die Sopranistin Tineke Van Ingelgem wird den Finalsatz der Hymnischen Symphonie gestalten.
Im Unterschied zu diesen vergessenen Wiener Schätzen, die unter der Leitung von Marcus Bosch gehoben werden, wurden Brahms’ Ungarische Tänze zu regelrechten Evergreens. Nur drei der 21 für Klavier gedachten Stücke orchestrierte er selbst und das sogar etwas widerwillig - aber auch damit landete er große Hits.
Von diesem Konzert wird eine CD produziert, unterstützt vom Club 77 der Philharmonischen Gesellschaft Rostock e.V.
Auch die spätromantische Symphonie der hochbegabten und von Zeitgenossen bewunderten Bruckner-Schülerin Mathilde Kralik von Meyrswalden gilt als besondere Rarität. Die Sopranistin Tineke Van Ingelgem wird den Finalsatz der Hymnischen Symphonie gestalten.
Im Unterschied zu diesen vergessenen Wiener Schätzen, die unter der Leitung von Marcus Bosch gehoben werden, wurden Brahms’ Ungarische Tänze zu regelrechten Evergreens. Nur drei der 21 für Klavier gedachten Stücke orchestrierte er selbst und das sogar etwas widerwillig - aber auch damit landete er große Hits.
Von diesem Konzert wird eine CD produziert, unterstützt vom Club 77 der Philharmonischen Gesellschaft Rostock e.V.
Gespräch mit dem Pianisten Oliver Triendl
Man kennt Sie als einen Konzertpianisten, der neben dem klassischen Standardrepertoire immer wieder unbekannte und selten gespielte Kompositionen auf Bühne bringt oder aufnimmt. Was reizt Sie daran?
Oliver Triendl: In jeder Epoche gab es ein freundschaftliches und kollegiales, aber auch konkurrierendes Miteinander von Tonsetzern, die sich teils gegenseitig beeinflussten, bewunderten oder auch eigene Wege gingen. Diese enorme Vielfalt hat mich schon immer fasziniert und es liegt mir sehr am Herzen, diesen reichen Schatz nicht nur selbst zu erleben, sondern auch einem Publikum zu präsentieren.
Wie stoßen Sie auf diese Werke, wie werden Sie darauf aufmerksam, wo findet man heute noch sogenannte Ausgrabungen?
Je mehr man sucht, desto mehr findet man. Wir sind so reich beschenkt mit unendlich viel guter Musik. Die Bibliotheken und Archive sind voll und noch schlummern dort viele Raritäten, die entdeckt werden wollen!
Im Dezember 2023 spielten Sie das Klavierkonzert des rumänischen Komponisten Paul Constantinescu in Rostock, inzwischen ist auch eine CD erschienen und das Konzert wurde mehrfach im Hörfunk gesendet. Diesmal haben Sie das Klavierkonzert von Hermann Grädener für Rostock ausgewählt, auch dieses Konzert wird aufgenommen und von Deutschlandfunk Kultur gesendet. Wie sind Sie auf diesen Komponisten gekommen?
Ich beschäftige mich seit vielen Jahren intensiv mit der deutschen (Spät-)Romantik um Brahms. Hier gibt es eine lange Reihe höchst interessanter Komponisten zu entdecken. Von vielen dieser Komponisten habe ich Werke auf die Bühne gebracht und/oder auf CD eingespielt. Grädeners Musik stand schon länger auf meiner Wunschliste und so bin ich sehr glücklich, sein Klavierkonzert erstmals zu musizieren.
Wie würden Sie Grädeners kompositorischen Stil beschreiben?
Natürlich war Grädener ein Kind seiner Zeit. Er zählte zum Freundeskreis von Johannes Brahms und wurde sicherlich von diesem Übervater stilistisch beeinflusst. Und trotzdem fand er seinen eigenen Stil!
Was hat an dem Klavierkonzert Ihr musikalisches Interesse geweckt?
Die klare Form, reizvolle Melodien, wunderbar verarbeitet, seine rhapsodischen Elemente im ersten Satz, der wunderschöne Mittelsatz, der tänzerische Finalsatz.
Warum hat das Werk bisher nicht den Weg ins Repertoire gefunden?
Wie bei so vielen meiner vergangenen Ausgrabungen ist mir dies unverständlich. Die romantische Ära hat eine fast unüberschaubare Anzahl an herrlichen Klavierkonzerten hervorgebracht. Leider spielt man immer wieder die gleichen fünf bis zehn Werke. Wie viel entgeht einem geneigten Zuhörer dadurch! Umso schöner, dass die Norddeutsche Philharmonie Rostock und ihr GMD Marcus Bosch zusammen mit mir dem Rostocker Publikum die Möglichkeit eröffnen, dieses Werk live zu hören.
Welche Herausforderungen stellt das Konzert an die Interpreten? Sind Sie auf Überraschungen gestoßen?
Der Solist ist auch bei diesem Konzert mit den üblichen pianistisch-virtuosen Herausforderungen konfrontiert. Kraftvolle, rhythmische, kantable und lyrische Passagen wechseln sich ab. Eine grandiose Kadenz gibt es im ersten Satz zu hören.
Wie passt sich das Konzert in das gesamte Abendprogramm ein?
Grädeners Klavierkonzert wurde in den 1880er Jahren geschrieben, aber erst 1914 veröffentlicht. In der Zwischenzeit hat er das Werk ausführlich überarbeitet. Mathilde Kralik hat ihre Symphonie 1903 komponiert - es gibt also eine gewisse zeitliche Parallele.
Was würden Sie unseren Zuhörenden gerne mitgeben, was glauben Sie, ist interessant zu wissen zu diesem Stück und Komponisten?
Hermann Grädener war 1877 Lehrer am Wiener Konservatorium. Kralik hat dort 1876 bis 1878 studiert. Nicht bei Grädener - aber war immerhin derselbe Stall.Grädeners Vater Carl stammte übrigens aus Rostock!
Mit welchen Erwartungen und Gefühlen reisen Sie nach Rostock?
Einerseits freue ich mich nach zwei Jahren wieder mit dem Orchester und seinem Dirigenten musizieren dürfen, andererseits beschleicht mich immer ein Glücksgefühl, ein lohnenswertes unbekanntes Klavierkonzert einem Publikum präsentieren und erstmals auf CD einspielen zu können.
Oliver Triendl: In jeder Epoche gab es ein freundschaftliches und kollegiales, aber auch konkurrierendes Miteinander von Tonsetzern, die sich teils gegenseitig beeinflussten, bewunderten oder auch eigene Wege gingen. Diese enorme Vielfalt hat mich schon immer fasziniert und es liegt mir sehr am Herzen, diesen reichen Schatz nicht nur selbst zu erleben, sondern auch einem Publikum zu präsentieren.
Wie stoßen Sie auf diese Werke, wie werden Sie darauf aufmerksam, wo findet man heute noch sogenannte Ausgrabungen?
Je mehr man sucht, desto mehr findet man. Wir sind so reich beschenkt mit unendlich viel guter Musik. Die Bibliotheken und Archive sind voll und noch schlummern dort viele Raritäten, die entdeckt werden wollen!
Im Dezember 2023 spielten Sie das Klavierkonzert des rumänischen Komponisten Paul Constantinescu in Rostock, inzwischen ist auch eine CD erschienen und das Konzert wurde mehrfach im Hörfunk gesendet. Diesmal haben Sie das Klavierkonzert von Hermann Grädener für Rostock ausgewählt, auch dieses Konzert wird aufgenommen und von Deutschlandfunk Kultur gesendet. Wie sind Sie auf diesen Komponisten gekommen?
Ich beschäftige mich seit vielen Jahren intensiv mit der deutschen (Spät-)Romantik um Brahms. Hier gibt es eine lange Reihe höchst interessanter Komponisten zu entdecken. Von vielen dieser Komponisten habe ich Werke auf die Bühne gebracht und/oder auf CD eingespielt. Grädeners Musik stand schon länger auf meiner Wunschliste und so bin ich sehr glücklich, sein Klavierkonzert erstmals zu musizieren.
Wie würden Sie Grädeners kompositorischen Stil beschreiben?
Natürlich war Grädener ein Kind seiner Zeit. Er zählte zum Freundeskreis von Johannes Brahms und wurde sicherlich von diesem Übervater stilistisch beeinflusst. Und trotzdem fand er seinen eigenen Stil!
Was hat an dem Klavierkonzert Ihr musikalisches Interesse geweckt?
Die klare Form, reizvolle Melodien, wunderbar verarbeitet, seine rhapsodischen Elemente im ersten Satz, der wunderschöne Mittelsatz, der tänzerische Finalsatz.
Warum hat das Werk bisher nicht den Weg ins Repertoire gefunden?
Wie bei so vielen meiner vergangenen Ausgrabungen ist mir dies unverständlich. Die romantische Ära hat eine fast unüberschaubare Anzahl an herrlichen Klavierkonzerten hervorgebracht. Leider spielt man immer wieder die gleichen fünf bis zehn Werke. Wie viel entgeht einem geneigten Zuhörer dadurch! Umso schöner, dass die Norddeutsche Philharmonie Rostock und ihr GMD Marcus Bosch zusammen mit mir dem Rostocker Publikum die Möglichkeit eröffnen, dieses Werk live zu hören.
Welche Herausforderungen stellt das Konzert an die Interpreten? Sind Sie auf Überraschungen gestoßen?
Der Solist ist auch bei diesem Konzert mit den üblichen pianistisch-virtuosen Herausforderungen konfrontiert. Kraftvolle, rhythmische, kantable und lyrische Passagen wechseln sich ab. Eine grandiose Kadenz gibt es im ersten Satz zu hören.
Wie passt sich das Konzert in das gesamte Abendprogramm ein?
Grädeners Klavierkonzert wurde in den 1880er Jahren geschrieben, aber erst 1914 veröffentlicht. In der Zwischenzeit hat er das Werk ausführlich überarbeitet. Mathilde Kralik hat ihre Symphonie 1903 komponiert - es gibt also eine gewisse zeitliche Parallele.
Was würden Sie unseren Zuhörenden gerne mitgeben, was glauben Sie, ist interessant zu wissen zu diesem Stück und Komponisten?
Hermann Grädener war 1877 Lehrer am Wiener Konservatorium. Kralik hat dort 1876 bis 1878 studiert. Nicht bei Grädener - aber war immerhin derselbe Stall.Grädeners Vater Carl stammte übrigens aus Rostock!
Mit welchen Erwartungen und Gefühlen reisen Sie nach Rostock?
Einerseits freue ich mich nach zwei Jahren wieder mit dem Orchester und seinem Dirigenten musizieren dürfen, andererseits beschleicht mich immer ein Glücksgefühl, ein lohnenswertes unbekanntes Klavierkonzert einem Publikum präsentieren und erstmals auf CD einspielen zu können.
Besetzung
Leitung
Klavier
Oliver Triendl
Norddeutsche Philharmonie Rostock
Sopran
Tineke Van Ingelgem

