19.12.2020

Ende Januar beginnen die Verhandlungsgespräche

Im Interview: Sigrid Hecht, Chefin des Eigenbetriebs Kommunale Objektbewirtschaft und -entwicklung der Hanse- und Universitätsstadt
So sehen die Planer von Hascher Jehle den großen Saal des Theaterneubaus.
Entwurf: Hascher Jehle Assoziierte GmbH
Frau Hecht, die drei Gewinnerentwürfe zum Theaterneubau sind im Oktober eine Woche lang im Rathaus ausgestellt gewesen und danach bei Ihnen im Amt. Welche Reaktionen haben Sie erhalten?
Sigrid Hecht: Der 1. Preis des Theaterwettbewerbs hat sich mit klarem Abstand als Favorit der Ausstellungs-Gäste herausgestellt.

Der von der Jury ausgewählte 1. Preis ist auch unser Favorit! Freuen uns jetzt schon auf das neue Theater und hoffen auf baldige Realisierung.

Der 1. Preis der Hascher Jehle… GmbH Berlin ist auch für uns der klare Favorit. Das Ensemble ist sowohl von der äußeren Gestaltung als auch von der inneren Anordnung sehr gelungen; der einzige Entwurf, der aufgelockert dargestellt wird – kein kompakter Kasten – und sich sehr gut in die Umgebung einfügt. Der Theatersaal – sehr gelungen. Auf diesen Neubau würden wir uns sehr freuen.

Der 1. Platz ist offen für die ganze Stadt und bezaubert Theaterfreunde genauso wie Touristen und Einheimische. Toller Entwurf!

Ganz großartiger 1. Platz. Baut es! Auch wegen der öffentlichen Zugänglichkeit. Ich freu mich darauf.

Bis Anfang Dezember konnten die Theatergängerinnen und -gänger die Arbeiten der drei Architekturbüros in den Foyers des Volkstheaters betrachten - das Interesse der BesucherInnen war enorm. Hier gab es viel Zustimmung für den 1. Platz. Wovon hängt es ab, ob dieser auch umgesetzt werden kann?
Sigrid Hecht: Aktuell erarbeiten wir die Aufgabenstellung für die drei platzierten Planungsbüros, die mit uns in das Verhandlungsverfahren treten. Die Verhandlungsgespräche werden Ende Januar 2020 aufgenommen. Nach erfolgter Auswertung der Gespräche wird der Vertrag mit einem der drei platzierten Büros geschlossen, das dann bis zum Genehmigungsverfahren mit uns zusammenarbeiten wird. Parallel dazu werden die Ausschreibungen für die Fachplaner auf den Markt gebracht. Mit welchem Planungsbüro am Ende ein Vertrag zustande kommt, hängt davon ab, wie sich die Büros in den Verhandlungen präsentieren, welche Ideen sie zur Überarbeitung ihrer Entwürfe hinsichtlich der Faktoren Kosteneffizienz und Funktionalität vorlegen.

ZuschauerInnen bezeichneten den Entwurf von Hascher Jehle als futuristisch, genau das richtige für unsere Zukunft. Platz 1 rockt war ein anderer Eintrag. Freut Sie das?
Sigrid Hecht: Natürlich freut es mich, und sicherlich auch alle anderen, die an der Umsetzung des Theaterwettbewerbes mitgewirkt haben, dass wir einen Entwurf ausgewählt haben, der bei den Rostockerinnen und Rostockern und den Besucherinnen und Besuchern unserer Stadt positive Emotionen auslöst. Die Planerinnen und Planer haben großartige Arbeiten abgegeben und uns in ihren Entwürfen gezeigt, welche Lösungen es für einen Theaterneubau geben kann. Dem Erstplatzierten ist es in besonderem Maße gelungen, die Anforderungen, die wir im Kontext des Wettbewerbes definiert haben, in den Entwurf aufzunehmen. Wir sehen ein Theater für alle, für die TheatergängerInnen, für alldiejenigen, die über den Dächern der Stadt mit Blick auf den Hafen einen kulinarischen Abend genießen wollen und auch für SpaziergängerInnen, die auf dem Theaterplatz in entspannter Atmosphäre eine kleine Pause machen. Wir sehen ein Theater, das einlädt, das sich öffnet, das begehbar und öffentlich nutzbar ist, das sich städtebaulich in die Umgebung einfügt und gleichzeitig als Solitärbaukörper funktioniert. Wir sind gespannt, wie sich das Planungsbüro Hascher Jehle im Verhandlungsverfahren präsentieren wird.

In unserem Gästebuch war auch zu lesen: Vorsicht bei den Betriebs- und Sicherheitskosten fürs Café auf der Dachterrasse. Und: Kostenvoranschlag einhalten! Wie können Sie einer Kostenexplosion vorbeugen?
Sigrid Hecht: Die Bürgerschaft hat 2018 beschlossen, dass der Theaterneubau nicht mehr als 110 Millionen Euro kosten darf. Das Land Mecklenburg-Vorpommern hat zugesichert, das Projekt mit 51 Millionen Euro zu unterstützen. Als Dienstleister der Hanse- und Universitätsstadt Rostock hält sich der Eigenbetrieb KOE Rostock bei der Umsetzung an gefasste Beschlüsse und Aufgabenstellungen. Der Erstplatzierte Entwurf liegt aktuell über den Kosten. Im Verhandlungsverfahren müssen die Planer daher ihre Ideen zur Kostenreduzierung vorlegen.

Ein Wunsch war: Bitte bald! KönnenSie etwas zum Zeitplan sagen? Wie geht es weiter und wann kann das neue Theater eröffnet werden?
Sigrid Hecht: Das neue Theater wird den Einwohnerinnen und Einwohnern Rostocks schon sehr lange versprochen. Der Beschluss, dass es einen Neubau geben soll, besteht seit 2002. Innerhalb der Kommune wurden in den vergangenen 17 Jahren zahlreiche offene Fragen diskutiert: Wie viele Sparten braucht das Haus? Wo soll es stehen? Was darf es kosten? Die Bürgerschaft hat Entscheidungen getroffen. Die Umsetzung des Theaterwettbewerbs ist ein Meilenstein auf dem Weg zum Theaterneubau. Die Motivation von meinem Team und mir ist riesengroß, etwas aufzubauen, das Jahrzehnte lang Bestand haben und unser Stadtbild prägen wird. Wenn wir 2021 mit dem Bau beginnen, können wir – sofern alles gut verläuft – voraussichtlich 2026 die Eröffnung feiern. Ein schneller Baubeginn und eine schnelle Umsetzung sind aufgrund rasch steigender Baukosten sehr wichtig.

26.10.2019

Einladung in alle Himmelsrichtungen

Mit Dank an die Teilnehmer des Architektenwettbewerbs zeigt das Volkstheater die Entwürfe zum Neubau in einer Ausstellung
Johannes Raible und Eduardo Großmann vom Architekturbüro Hascher Jehle Assoziierte GmbH präsentieren ihren Entwurf
Foto: Dorit Gätjen
Auch für ein Büro unserer Größe ist ein Theater eine Aufgabe, die nicht alle Tage kommt, gesteht Johannes Raible von Hascher Jehle Assoziierte GmbH, dem renommierten Architekturbüro aus Berlin, das im Wettbewerb um den Rostocker Theaterneubau gesiegt hat. Viele ExpertenInnen waren zu hören und Argumente abzuwägen, bevor die 13-köpfige Jury Ende September ihr Votum gab und Hascher Jehle als Gewinner benannte sowie den Büros pfp architekten und Betz + Kock je einen dritten Preis zuerkannte.

Der Juryvorsitzende Peter Eickholt gehört selbst zu den wichtigen Experten auf diesem Gebiet. Seit 30 Jahren begutachtet und plant er Theaterneubauten und –sanierungen. Von Moskau bis New York und von Island bis Genua war er als Architekt am Bau von Opern- und Schauspielhäusern ebenso beteiligt wie an Generalsanierungen von bühnentechnischen Anlagen. Und noch immer nötigt ihm jedes neue Theaterhaus Respekt ab: Ein Theater zu konzipieren, ist in meinen Augen immer noch die größte Herausforderung für einen Planer. Theater ist ein spezieller Sonderbau mit hochkomplexen Anforderungen, die zusammengeführt werden müssen, damit es funktioniert. Die Herausforderung war es für die Jury, genau denjenigen Entwurf zu ermitteln, der die Hülle mit dem organisatorischen Inneren in Einklang bringt.

Bei Hascher Jehle haben neben Johannes Raible noch zwei, zeitweise drei weitere Architekten am Entwurf gearbeitet, um den hohen Anspruch an ein auf Rostock zugeschnittenes, begeisterndes Äußeres und die strengen Vorgaben für das Innere unter einen Hut zu bekommen. „Das Herzstück des Theaters ist ein 'dreidimensionales Kreuz' aus Zuschauerraum, Bühne, Hinter-, Seiten-, und Unterbühnen sowie dem Bühnenturm. Alle beschriebenen Räume haben exakt vorgegebene Breiten, Tiefen und Höhen. Hier gibt es keinerlei Spielraum für den Architekten. Dieser 'sperrige' Baustein bestimmt die Form jedes Theaters maßgeblich, erklärt Raible. Mehr Freiheit gab es bei der Gestaltung des Eingangsbereichs: Das Foyer umspielt sowohl den großen Saal als auch die Raumbühne. Es liegt ebenerdig auf Höhe der Langen Straße und verbindet die Stadt mit dem Theater, schafft so einen schwellenlosen Übergang von außen nach innen, so Architekt Raible. Der Siegerentwurf zeigt ein Gebäude, dass keine Vorder- und Rückseite kennt, sondern als begehbare Skulptur seine Ausstrahlung in alle Himmelsrichtungen gleichermaßen wirken lässt. Denn: „Waren in früheren Zeiten Sakralbauten und herrschaftliche Residenzen von besonderer Bedeutung für die Prägung der Stadtzentren, so sind dies heute wichtige Kulturbauten wie Museen, Konzerthäuser oder eben Theater. Sie verleihen einem Ort Identität und formen für eine Stadt Zentren der öffentlichen Begegnung und des Austauschs, so Raibles Chef Rainer Hascher. Er ist sich sicher: Auch die Bürger, die nur selten eine Theatervorstellung besuchen, werden spüren, dass hier für die Gestalt und die Zukunftsfähigkeit dieser wichtigen Stadt an der Ostsee ein weiterer wertvoller Baustein geschaffen wurde.

Bis zum 8. Dezember zeigt das Volkstheater immer ab einer Stunde vor Vorstellungsbeginn in den Foyers des Großen Hauses die Details des Siegerentwurfs wie auch die Visionen der anderen Preisträger.

16.09.2019

Die Wettbewerbs-Preisträger stehen fest

Jury vergibt drei Platzierungen / Architekturbüro Hascher Jehle Assoziierte bei der Bewertung vorne
Nach einem kreativen, intensiven Arbeits- und teils kontroversen Diskussionsprozess stehen die Preisträger des Wettbewerbes für den Theaterneubau fest: Das Architekturbüro Hascher Jehle Assoziierte GmbH aus Berlin wurde von der Jury mit dem ersten Platz ausgezeichnet, gefolgt von den Entwürfen der Architekturbüros Bez + Kock aus Stuttgart und pfp architekten aus Hamburg, die sich gleichrangig Platz Drei teilen. Allen drei Preisträgern ist es gelungen, sich städtebaulich in die Umgebung einzufügen und auf die funktionalen Anforderungen des Auslobers eine gelungene Antwort zu finden, begründet die Jury.
 
Der Planungswettbewerb wurde im Auftrag der Hanse- und Universitätsstadt Rostock durch die Rostocker Gesellschaft für Stadterneuerung, Stadtentwicklung und Wohnungsbau mbH (RGS) europaweit ausgelobt. Aus dem Bewerbungsverfahren gingen zehn Arbeiten hervor, die zum Wettbewerb zugelassen wurden. Die Büros kommen aus Berlin, Hamburg, Stuttgart, Paris und Bregenz. Die Jury, bestehend aus Architekten, Vertretern der Stadtverwaltung und des Volkstheaters, bewertete die Arbeiten anhand ihrer gestalterischen und räumlichen Qualität, der Umsetzung der Nutzungsanforderungen, des Verhältnisses der Baukosten zur Brutto-Grundfläche und der städtebaulichen Gesamtidee. Besondere Beachtung fanden zusätzlich die Gestaltung der Erdgeschossfassaden sowie die Wirkung des Objektes als Solitär.

Die Umsetzung des Bauprojektes wird in der Hand vom Eigenbetrieb Kommunale Objektbewirtschaftung und -entwicklung der Hanse- und Universitätsstadt Rostock liegen.

Die Preisträger

Nachfolgende Preisträger wurden von der Jury am 16. September 2019 in Rostock ermittelt
1. Platz: Hascher Jehle Assoziierte GmbH (Berlin, Deutschland)
© Hascher Jehle Assoziierte GmbH
  • Staffelung des Volumens - Bezug zum Bestand und als Erinnerung an historische Gebäude
  • begehbare Gebäudeskulptur mit geschwungenen, gegeneinander versetzten Volumen
  • Bühnenturm: zweischaliger Baukörper mit transparenter Hülle und opakem Kern
  • Hauptzugang von Osten über Theaterplatz
  • Gastronomie auf Ebene 5 mit Blick auf den Stadthafen, Erschließung über Haupteingang, optional Gastronomie auf dem Dach des Bühnenturms
3. Platz: Bez + Kock Architekten Generalplaner GmbH (Stuttgart, Deutschland)
© Bez + Kock Architekten Generalplaner GmbH
  • Ergänzung Torsituation Eingang Lange Straße
  • gläserner schimmernder Kubus aus verschiedenen Glasbausteinen, Entmaterialisierung durch Reflexion des Lichts am Tag
  • vier einheitliche Fassaden
  • Hauptzugang von Osten über Theaterplatz
  • Gastronomie: Lange Straße mit Blick auf Lange Straße, Zugang von Süden
  • Dachbegrünung vorgesehen
3. Platz: pfp architekten bda (Hamburg, Deutschland)
© pfp architekten bda
  • von innen herausstrahlender Theatersolitär und große auskragende Kuben
  • Fassaden aus geschosshohen Raumverglasungen und transluzenten Glasbausteinen - Fassaden mit beweglichen Fassadenscreens
  • Hauptzugang von Osten über Ecke Lange Straße/ Theatervorplatz
  • Gastronomie: EG-Niveau Lange Straße mit Blick auf den Stadthafen mit vorgelagerter Terrasse
Die Wettbewerbsbeiträge werden vom 07. bis 11. Oktober in der Rathaushalle, Neuer Markt 1, präsentiert. Im Anschluss können die Unterlagen vom 14. bis 23. Oktober in den Geschäftsräumen der RGS, Am Vögenteich 26, montags bis donnerstags in der Zeit von 9 bis 16 Uhr eingesehen werden.

Weitere Informationen zum Theaterwettbewerb, zu den teilnehmenden Architekturbüros und den Entwürfen: www.rgs-rostock.de/theaterwettbewerb.