26.10.2019

Einladung in alle Himmelsrichtungen

Mit Dank an die Teilnehmer des Architektenwettbewerbs zeigt das Volkstheater die Entwürfe zum Neubau in einer Ausstellung
Johannes Raible und Eduardo Großmann vom Architekturbüro Hascher Jehle Assoziierte GmbH präsentieren ihren Entwurf
Foto: Dorit Gätjen
Auch für ein Büro unserer Größe ist ein Theater eine Aufgabe, die nicht alle Tage kommt, gesteht Johannes Raible von Hascher Jehle Assoziierte GmbH, dem renommierten Architekturbüro aus Berlin, das im Wettbewerb um den Rostocker Theaterneubau gesiegt hat. Viele ExpertenInnen waren zu hören und Argumente abzuwägen, bevor die 13-köpfige Jury Ende September ihr Votum gab und Hascher Jehle als Gewinner benannte sowie den Büros pfp architekten und Betz + Kock je einen dritten Preis zuerkannte.

Der Juryvorsitzende Peter Eickholt gehört selbst zu den wichtigen Experten auf diesem Gebiet. Seit 30 Jahren begutachtet und plant er Theaterneubauten und –sanierungen. Von Moskau bis New York und von Island bis Genua war er als Architekt am Bau von Opern- und Schauspielhäusern ebenso beteiligt wie an Generalsanierungen von bühnentechnischen Anlagen. Und noch immer nötigt ihm jedes neue Theaterhaus Respekt ab: Ein Theater zu konzipieren, ist in meinen Augen immer noch die größte Herausforderung für einen Planer. Theater ist ein spezieller Sonderbau mit hochkomplexen Anforderungen, die zusammengeführt werden müssen, damit es funktioniert. Die Herausforderung war es für die Jury, genau denjenigen Entwurf zu ermitteln, der die Hülle mit dem organisatorischen Inneren in Einklang bringt.

Bei Hascher Jehle haben neben Johannes Raible noch zwei, zeitweise drei weitere Architekten am Entwurf gearbeitet, um den hohen Anspruch an ein auf Rostock zugeschnittenes, begeisterndes Äußeres und die strengen Vorgaben für das Innere unter einen Hut zu bekommen. „Das Herzstück des Theaters ist ein 'dreidimensionales Kreuz' aus Zuschauerraum, Bühne, Hinter-, Seiten-, und Unterbühnen sowie dem Bühnenturm. Alle beschriebenen Räume haben exakt vorgegebene Breiten, Tiefen und Höhen. Hier gibt es keinerlei Spielraum für den Architekten. Dieser 'sperrige' Baustein bestimmt die Form jedes Theaters maßgeblich, erklärt Raible. Mehr Freiheit gab es bei der Gestaltung des Eingangsbereichs: Das Foyer umspielt sowohl den großen Saal als auch die Raumbühne. Es liegt ebenerdig auf Höhe der Langen Straße und verbindet die Stadt mit dem Theater, schafft so einen schwellenlosen Übergang von außen nach innen, so Architekt Raible. Der Siegerentwurf zeigt ein Gebäude, dass keine Vorder- und Rückseite kennt, sondern als begehbare Skulptur seine Ausstrahlung in alle Himmelsrichtungen gleichermaßen wirken lässt. Denn: „Waren in früheren Zeiten Sakralbauten und herrschaftliche Residenzen von besonderer Bedeutung für die Prägung der Stadtzentren, so sind dies heute wichtige Kulturbauten wie Museen, Konzerthäuser oder eben Theater. Sie verleihen einem Ort Identität und formen für eine Stadt Zentren der öffentlichen Begegnung und des Austauschs, so Raibles Chef Rainer Hascher. Er ist sich sicher: Auch die Bürger, die nur selten eine Theatervorstellung besuchen, werden spüren, dass hier für die Gestalt und die Zukunftsfähigkeit dieser wichtigen Stadt an der Ostsee ein weiterer wertvoller Baustein geschaffen wurde.

Bis zum 8. Dezember zeigt das Volkstheater immer ab einer Stunde vor Vorstellungsbeginn in den Foyers des Großen Hauses die Details des Siegerentwurfs wie auch die Visionen der anderen Preisträger.

16.09.2019

Die Wettbewerbs-Preisträger stehen fest

Jury vergibt drei Platzierungen / Architekturbüro Hascher Jehle Assoziierte bei der Bewertung vorne
Nach einem kreativen, intensiven Arbeits- und teils kontroversen Diskussionsprozess stehen die Preisträger des Wettbewerbes für den Theaterneubau fest: Das Architekturbüro Hascher Jehle Assoziierte GmbH aus Berlin wurde von der Jury mit dem ersten Platz ausgezeichnet, gefolgt von den Entwürfen der Architekturbüros Bez + Kock aus Stuttgart und pfp architekten aus Hamburg, die sich gleichrangig Platz Drei teilen. Allen drei Preisträgern ist es gelungen, sich städtebaulich in die Umgebung einzufügen und auf die funktionalen Anforderungen des Auslobers eine gelungene Antwort zu finden, begründet die Jury.
 
Der Planungswettbewerb wurde im Auftrag der Hanse- und Universitätsstadt Rostock durch die Rostocker Gesellschaft für Stadterneuerung, Stadtentwicklung und Wohnungsbau mbH (RGS) europaweit ausgelobt. Aus dem Bewerbungsverfahren gingen zehn Arbeiten hervor, die zum Wettbewerb zugelassen wurden. Die Büros kommen aus Berlin, Hamburg, Stuttgart, Paris und Bregenz. Die Jury, bestehend aus Architekten, Vertretern der Stadtverwaltung und des Volkstheaters, bewertete die Arbeiten anhand ihrer gestalterischen und räumlichen Qualität, der Umsetzung der Nutzungsanforderungen, des Verhältnisses der Baukosten zur Brutto-Grundfläche und der städtebaulichen Gesamtidee. Besondere Beachtung fanden zusätzlich die Gestaltung der Erdgeschossfassaden sowie die Wirkung des Objektes als Solitär.

Die Umsetzung des Bauprojektes wird in der Hand vom Eigenbetrieb Kommunale Objektbewirtschaftung und -entwicklung der Hanse- und Universitätsstadt Rostock liegen.

Die Preisträger

Nachfolgende Preisträger wurden von der Jury am 16. September 2019 in Rostock ermittelt
1. Platz: Hascher Jehle Assoziierte GmbH (Berlin, Deutschland)
© Hascher Jehle Assoziierte GmbH
  • Staffelung des Volumens - Bezug zum Bestand und als Erinnerung an historische Gebäude
  • begehbare Gebäudeskulptur mit geschwungenen, gegeneinander versetzten Volumen
  • Bühnenturm: zweischaliger Baukörper mit transparenter Hülle und opakem Kern
  • Hauptzugang von Osten über Theaterplatz
  • Gastronomie auf Ebene 5 mit Blick auf den Stadthafen, Erschließung über Haupteingang, optional Gastronomie auf dem Dach des Bühnenturms
3. Platz: Bez + Kock Architekten Generalplaner GmbH (Stuttgart, Deutschland)
© Bez + Kock Architekten Generalplaner GmbH
  • Ergänzung Torsituation Eingang Lange Straße
  • gläserner schimmernder Kubus aus verschiedenen Glasbausteinen, Entmaterialisierung durch Reflexion des Lichts am Tag
  • vier einheitliche Fassaden
  • Hauptzugang von Osten über Theaterplatz
  • Gastronomie: Lange Straße mit Blick auf Lange Straße, Zugang von Süden
  • Dachbegrünung vorgesehen
3. Platz: pfp architekten bda (Hamburg, Deutschland)
© pfp architekten bda
  • von innen herausstrahlender Theatersolitär und große auskragende Kuben
  • Fassaden aus geschosshohen Raumverglasungen und transluzenten Glasbausteinen - Fassaden mit beweglichen Fassadenscreens
  • Hauptzugang von Osten über Ecke Lange Straße/ Theatervorplatz
  • Gastronomie: EG-Niveau Lange Straße mit Blick auf den Stadthafen mit vorgelagerter Terrasse
Die Wettbewerbsbeiträge werden vom 07. bis 11. Oktober in der Rathaushalle, Neuer Markt 1, präsentiert. Im Anschluss können die Unterlagen vom 14. bis 23. Oktober in den Geschäftsräumen der RGS, Am Vögenteich 26, montags bis donnerstags in der Zeit von 9 bis 16 Uhr eingesehen werden.

Weitere Informationen zum Theaterwettbewerb, zu den teilnehmenden Architekturbüros und den Entwürfen: www.rgs-rostock.de/theaterwettbewerb.