Zur Gestaltung des Regionalen Stadtraums Uraufführung
Um die eigene Meinung zu einer öffentlichen umzugestalten kann man verschiedene Wege gehen. Demonstrationen und ein Vereinsbuch sind ein Anfang. Oder man gibt eine auflagenstarke Wochenzeitschrift heraus. Recherche ist ja auch, wie das Glück des Einzelnen oder das Wohl der Gemeinschaft, subjektiv. Ist das noch legitim? Wem gehört eigentlich diese öffentliche Meinung? Finden Sie es heraus, zum Beispiel am Kiosk. Im Herbst erwartet Rostock ein beachtlicher Text von einem der derzeit gefragtesten Dramatiker, der über die derzeitigen Verhältnisse spricht, die mangelnde Transparenz in der Politik und nicht zuletzt die Demokratie als System untersucht.
Oliver Kluck, geboren 1980 auf Rügen, ist freier Autor und lebt in Berlin. Seine Arbeiten, die deutschlandweit, in der Schweiz und in Österreich gespielt werden, wurden mehrfach übersetzt und ausgezeichnet. Oliver Kluck sagt von sich selber, dass er sein Schreiben wie eine Fabrik organisiert habe, in der er gleichzeitig Fabrikant sei und Arbeiter.
"Der Begriff Enttäuschung bedeutet nichts anderes, als die Auflösung des Zustandes der Täuschung. Wie sich nun herausstellt, wurde noch öfters als mit uns über uns gelacht. Die neuen Möglichkeiten waren tatsächlich keine neuen Möglichkeiten, sondern der bekannte als Sicherheit und Ruhe und Ordnung bezeichnete Zwang. Freiheit und Selbstverwirklichung, diese wie Musik klingenden Wörter, die wir begeistert für unseren Tagegebrauch angenommen haben, sind mittlerweile abgenutzt und stumpf. "Nagelstudio, Back Shop und Baumarkt", das ist möglicherweise alles, was uns von der Revolte geblieben ist."
"Klucks Text ist wild. Er reißt an, reißt auf, beantwortet nichts. Er zerrt Personen, reale Ereignisse und Ideen aus dem Zusammenhang, stellt sie in einen neuen Kontext. Damit entlarvt er sie als oberflächlich, überflüssig, hohl. […] Sonja Hilbergers temporeiche und grelle Inszenierung verleiht dem absurden Finale zusätzliche Komik.«
Dietrich Pätzold Ostsee-Zeitung, 21.11.11
"Der Titel "Über die Möglichkeiten der Punkbewegung zur Gestaltung des regionalen Stadtraumes" klingt so monströs wie eine Verwaltungsvorlage, […]. Aus diesem Steinbruch nahmen sich in Rostock fünf Schauspieler in der Regie von Sonja Hilberger das Material zu einem knapp anderthalbstündigen burlesken Spiel und erreichten dabei große Form."
Esther Slevogt nachtkritik.de, 19.11.11
"Der dreiteilige Textteppich wird szenisch zerlegt und komödiantisch ausgeschlachtet. Da ist die höchst intensiv agierende Lisa Flachmeyer, die zunächst als dauerlächelnde Moderatorin in Erscheinung tritt und am Ende im Fat-Suit eine Stasioffiziersfrau mimt. […] Sandra-Uma Schmitz bietet zupackende Einblicke in den Kampf um vaginale Integrität und Souveränität einer gereiften Kleinstadtschönheit und umschifft souverän sämtliche sozialpornografische Klippen der Vorlage. Und die drei Herren Jakob Kraze, Ulrich K. Müller und Michael Ruchter zeigen mit einigem Körpereinsatz, dass man es als Charaktermaske heutzutage speziell im Fernsehen schwer hat, überzeigend als Mensch rüberzukommen."