Foto: Dorit Gätjen

Ohne Leidenschaft geht nichts

Natalie Shults gehört seit zehn Jahren zum Ensemble der Tanzcompagnie am Volkstheater Rostock
Jeder Arbeitstag beginnt mit dem Training, ganz prosaisch. Das Leben in der Tanzcompagnie des Volkstheaters bedeutet harte Arbeit, tägliches Üben und strenge Disziplin. Ohne Leidenschaft geht das natürlich nicht. Der Anreiz ist einfach die Befriedigung, die du während des Tanzes empfindest, sagt Natalie Shults. Denn tanzen - das bedeutet natürlich auch Glück!
Die Bayerin gehört zu den Urgesteinen im Ensemble. 2009 kam sie nach Rostock, um für ein Jahr am Volkstheater zu arbeiten. Inzwischen ist die 32-Jährige eines der dienstältesten Mitglieder der Tanzcompagnie. Geplant hatte sie das so nicht - die Freiberuflerin liebte es, in immer unterschiedlichen Konstellationen verschiedene Einzelprojekte zu erarbeiten, und wollte sich eigentlich nicht fest an eine Truppe binden. Im Jahr 2004 hatte sie den Kunstförderpreis der Stadt Augsburg gewonnen und sich schon früh gegen eine klassische Ballettkarriere und für ein Leben mit dem zeitgenössischen Tanz entschieden. Das Angebot, nach Rostock zu kommen, wollte die Künstlerin eigentlich nur für ein Jahr annehmen. Doch die Hansestadt und die Tanzcompagnie des Volkstheaters haben offenbar etwas, das die Tänzerin hier festhält. Ganz sicher gehören auch das spezielle Flair eines Viersparten-Hauses und die damit verbundene Aufgaben-Vielfalt im Tänzeralltag dazu: Das ist der Reiz eines Engagements am Theater, dass man eben auch die Chance hat, in Operetten oder Musicals zu tanzen, andere Akteure, andere Künstler kennenzulernen. Man interagiert mit den Schauspielern, dem Chor und das ist das Reizvolle am Theaterleben, dass man nicht nur im eigenen Brei kocht.
Das Theaterleben lässt auch Raum für Weiterentwicklung: Mittlerweile steht Natalie Shults öfter hinter als auf der Bühne - hält als Choreografie-Assistentin die Fäden zusammen, leitet Training und Proben, gibt Workshops auch für Kinder und Hobbytänzer. Vor zwei Jahren ist sie Mutter geworden. Am zeitgenössischen Tanz fasziniert sie nach wie vor, dass der Raum für Eigeninterpretation riesig ist - sowohl auf Seiten des Tänzers wie auch auf Seiten des Zuschauers. Zeitgenössische Stücke reagieren direkt auf das Leben, meint Natalie Shults. Für erwachsene wie junge Zuschauer gleichermaßen spannend: Es gibt ja kein gesprochenes Wort. Die Kinder gehen in den Kindergarten, in die Schule, bekommen so viel erklärt, es donnert die ganze Zeit Sprache um sie herum und ich glaube, das Erlebnis, Tanz zu sehen, wo eine Geschichte erzählt wird ohne ein einziges gesprochenes Wort, das ist etwas, das Kinder ganz arg fasziniert. Was für Tänzer selbstverständlich ist, nämlich ausschließlich mit dem Körper zu sprechen, ist für das Publikum, ob groß oder klein, eher außeralltäglich und drum besonders spannend, vielleicht für viele auch ein bisschen rätselhaft.