Foto: privat

Von Italien nach Rostock

Interview mit Sarabeth Guerra, Stimmführerin der 2. Violinen der Norddeutschen Philharmonie Rostock
Wie kamen Sie als Italienerin nach Rostock?
Sarabeth Guerra: Ich bin erst 2008 aus Italien weggezogen. 2007 habe ich ein Stipendium einer italienischen Stiftung gewonnen. So konnte ich mein Studium an der Musikakademie der Stadt Basel fortsetzen. Dort habe ich dann den Mann meines Lebens kennengelernt. Er, ein Wissenschaftler, hat dann allerdings eine Stelle in Rostock gefunden. Und so sind wir 2014 hierher gezogen. Es war eigentlich ein Zufall.

Gibt es einen Ort in Rostock, der für Sie Heimat bedeutet?
Sarabeth Guerra: Das ist eine sehr schwierige Frage. Ich komme aus einer kleinen Stadt in den Bergen. Meine Heimat ist landschaftlich und architektonisch ganz anders als Norddeutschland – auch die Mentalität und die Kultur unterscheiden sich sehr. Selbstverständlich gibt es viele tolle Plätze in Rostock, wo man sich entspannen oder schöne Aussichten genießen kann. Ich fühle mich natürlich bei meiner kleinen Familie zuhause. Aber Heimat ist auch ein symbolischer Ort: Überall, wo ich musizieren kann, fühle ich mich zuhause. Der Barocksaal ist dafür ein wunderschönes Beispiel.

War es schon länger Ihr Wunsch, in diesem Orchester am Meer zu spielen?
Sarabeth Guerra: Eigentlich nicht. Als ich hierher kam, kannte ich das Rostocker Orchester nicht richtig. In der Schweiz hatte ich lange als Freiberuflerin gearbeitet und hatte angefangen, eine feste Stelle in Deutschland zu finden. Ich hatte Glück, dass die Norddeutsche Philharmonie Rostock eine Violinistin suchte. Und ich hatte noch mehr Glück, die Stelle als Stimmführerin der 2. Violinen zu bekommen. Ich war in einer Phase meines Lebens, wo ich etwa vier bis fünf Probespiele pro Monat hatte. Eine feste Anstellung in Rostock zu finden, an dem Ort, an dem ich schon war, war ein Traum!

Was wünschen Sie sich für die Stadt?
Sarabeth Guerra: Ich wünsche mir, dass endlich verstanden wird, dass Kultur und Musik wichtige Themen für alle Menschen sind. Es ist ziemlich traurig zu sehen, dass auch hier in der Kultur viel gekürzt wird. Deutschland war für mich immer ein Vorbild für Perfektion und für die Wichtigkeit der Traditionen. Es wäre sehr schön, wenn mehr Geld in unser Theater (vielleicht auch in einen Neubau) und unser Orchester investiert würde. Man könnte viel größere Programme vorstellen und mehr Publikum anlocken.

Was schätzen Sie an Ihren KollegInnen/am Theater?
Sarabeth Guerra: Ich habe sehr nette und freundliche KollegInnen, die sich sofort um mich gekümmert haben, die mich sehr schätzen und dafür sorgen, dass ich mich zuhause fühle. Die Stimmung ist meistens sehr entspannt und wir können in Ruhe arbeiten. Professionalität ist mir sehr wichtig, aber manchmal braucht man auch lockere Momente. Und hier finde ich beides. Ich freue mich sehr, wenn meine KollegInnen sich an mich wenden, um gemeinsam Kammerkonzerte zu organisieren. Ich mag es, den MusikerInnen mehr auf der kammermusikalischen Ebene zu begegnen. In einem großen Orchester mit vielen Leuten ist es immer schwierig, jemanden richtig kennenzulernen. Es macht Spaß, die verschiedenen Möglichkeiten zu entdecken.

Erleben können Sie Sarabeth Guerra mit der Norddeutschen Philharmonie Rostock wieder am 11., 12. und 13. März beim 7. Philharmonischen Konzert.