Christian Venzke als Zaza
Foto: Dorit Gätjen

Ich bin, was ich bin

Interview mit Christian Venzke alias Albin/Zaza
Am 27. Januar wird das Erfolgsmusical Ein Käfig voller Narren (Regie: Stephan Brauer) wieder in den Spielplan aufgenommen. Drei Fragen an Hauptdarsteller Christian Venzke...

In unserer Aufführung des Musicals Ein Käfig voller Narren spielen Sie die Rolle des Travestiekünstlers Albin/Zaza. Was fasziniert Sie an dieser Figur?
An der Persönlichkeit Albin/Zaza faszinieren mich ganz besonders ihre Menschlichkeit und Größe. Albin ist exzentrisch und manieriert in der Darstellung seines alter Ego Zaza, ist ebenso einnehmend wie aufopfernd als Privatperson. Er hat Ecken und Kanten, ist sich seiner sicher und von Zweifeln und Ängsten geplagt, doch er geht mit all dem immer gradlinig und wahrhaftig um. Ich finde das absolut faszinierend! Wenn er liebt, ist seine Liebe unerschütterlich. Und auch wenn ihm grad - durch dummes, selbstsüchtiges Verhalten - das Herz herausgerissen wurde, so setzt er sich sofort wieder für die Menschen ein, die dies zu verantworten haben, da sein Verständnis schier grenzenlos ist. Und all das krönt dieser wundervolle Mensch mit einer gehörigen Portion Humor - wobei er durchaus auch über sich selbst, und das besonders laut, lachen kann. 

Was war für Sie das Besondere bei der Erarbeitung im Unterschied zu anderen Rollen?
Das Besondere war sicher, dass ich diese Partie in dieser Inszenierung schon zweimal gespielt hatte und ich das Gefühl hatte, als wir in Rostock mit den Proben begannen: Ich bin Albin/Zaza. Jedwede Situation war mir in den Grundfesten vertraut. Doch hatte ich nun um mich herum, außer Stephan Brauer, der mir schon in einer Inszenierung als persönliche Zofe beistand, lauter tolle, neue Kollegen und die Arbeit - wenn man es denn so nennen will - bestand für mich darin, auf diese neuen Charaktere mit dem zu reagieren, was ich schon war bzw. bin. Klingt irgendwie kompliziert, ist aber eigentlich wie im richtigen Leben. Und mir macht es wahnsinnig Spaß, wahrhaftig, einnehmend, verständnisvoll, gradlinig, exzentrisch und humorvoll zu sein!

Das Musical stammt aus dem Jahr 1983. Seither hat sich viel verändert, sowohl gesellschaftlich als auch politisch. Verändert das den Blick auf Ein Käfig voller Narren?
Ich muss leider sagen: Nein! Es mag sich viel verändert haben, doch werden Beziehungsformen, die nicht der Norm entsprechen, noch immer mit großen Vorbehalten betrachtet und mit spitzen Fingern angepackt, wenn nicht sogar weggeschoben. Außerdem werden gerade heute, wo die Welt so schnelllebig geworden ist, viele Dinge oft vorschnell weggeworfen, ohne dass man sich bemüht, sie vielleicht wieder in Ordnung zu bringen. Ich meine das auch hinsichtlich zwischenmenschlicher Beziehungen. Gibt's ein Problem, eine Verfehlung einer Partei, wird die Schuldfrage wichtiger als die Liebe, die einen mal verbunden hat, und sofort wird alles hingeworfen, um sich neu zu orientieren. La Cage zeigt, wie man auch anders mit schwierigen Situationen umgehen kann. Damit wird dieses Stück, in dem es vordergründig um ein schwules Paar geht, das seit 20 Jahren zusammen lebt und über das - leider auch zunehmend viel zu viele - junge Leute gern die Nase rümpfen, eigentlich zu einem Appell an die Menschlichkeit. Ein Appell zu dem zustehen, was man ist, und zu denen, die man sich für sein Leben ausgesucht hat. Voller Respekt dem anderen gegenüber. Voller Liebe und Verständnis - und durchaus auch mal etwas zu investieren, um eine Situation zu retten, die vielleicht aus dem Ruder gelaufen ist. La Cage Aux Folles ist somit nach wie vor aktuell! Und außerdem ist die Musik absolut klasse!