Regisseurin Anja Nicklich mit Mitgliedern des Kinderchors der Rostocker Singakademie e.V.
Foto: Dorit Gätjen

Die Welt des Theaterspielens

Anja Nicklich ist seit dieser Spielzeit Musiktheater-Hausregisseurin am Volkstheater. Gerade organisiert sie die neue Ausgabe der OZ-Theaterwerkstatt.
Frau Nicklich, was genau macht eine Opernregisseurin?
Anja Nicklich: Sie bringt ein Musiktheaterwerk, was 300, 100 oder auch nur 50 Jahre alt ist, auf die Bühne, mit allem Drumundran. Ich frage mich: Was erzählt mir das Stück heute? Und dementsprechend baue ich ein Konzept. Daran beteiligt sind auch die Bühnen- und KostümbildnerInnen und eine DramaturgIn. In unseren Proben mit den SängerInnen, dem Chor und allen anderen Beteiligten erkläre ich dann, wer bei welcher Note der Musik wo steht, was er oder sie macht und sich dabei denkt. In meinem Kopf ist sozusagen der ganze Film da und ich versuche, jeden einzelnen Beteiligten auf der Bühne dorthin mitzunehmen, so dass der Film am Schluss funktioniert. Und zur Premiere verbeuge ich mich dann.

Ist das der schönste Moment?
Anja Nicklich: Nein, den mag ich gar nicht, mir zittern die Knie. Ich weiß ja nicht, was mich erwartet: Buhrufe oder Bravo? Ich offenbare meine Seele mit einer Inszenierung - und dann gehe ich auf die Bühne und weiß nicht, haben mich die Leute verstanden, haben sie die Inszenierung emotional an sich herankommen lassen oder nicht - deshalb ist der Moment aufregend für mich.

In der OZ-Theaterwerkstatt am 13. Oktober geht es um Möglichkeiten der Mitwirkung am Theater. Auch in Ihrer nächsten großen Produktion Eugen Onegin werden z.B. LaientänzerInnen mit auf der Bühne sein, bei einigen Aufführungen wie etwa Spring Awakening stehen jugendliche DarstellerInnen sogar im Zentrum. Was erleben die?
Anja Nicklich: Letztendlich besteht der Spaß, als Laie an Theateraufführungen mitzuwirken, darin zu entdecken, welche Möglichkeiten man selbst hat. Und auch zu erleben, wie viel Arbeit in einer Inszenierung steckt. Dass man im Theater nicht einfach mal so über die Bühne laufen kann, denn hinten fährt womöglich ein Podium, vorne geht vielleicht eine Klappe auf und der Scheinwerfer leuchtet auch nicht überallhin. Deshalb wird unglaublich viel Zeit an Details verwendet. Wenn Leute von Außerhalb das zum ersten Mal miterleben, sind sie immer hin und weg. Auch im Umgang aller DarstellerInnen miteinander, in der Diskussion, in der Rollenerarbeitung, erleben sie, wie viel Spaß das macht, kreativ zu sein. Wir fordern ja Kreativität heraus. Das ist das Spannende.

Der Schub an Kreativität und Lebensfreude, den man beim Mitspielen am Theater bekommt, steht im Mittelpunkt der Theaterwerkstatt. Wie wird der Vormittag ablaufen?
Anja Nicklich: Zunächst einmal werden die Spielclubs, die am Theater tätig sind, zeigen, was sie drauf haben – und führen kurze Szenen aus ihren Arbeiten vor, bei denen auch einige ZuschauerInnen, wenn sie mögen, mitmachen dürfen und spüren können, wie es sich anfühlt, auf der Bühne zu stehen. Der Kinder- und Jugendchor der Rostocker Singakademie e.V. ist ebenfalls dabei und gibt einen Eindruck von dem aufregenden und spannenden Weg, den man zurücklegt, wenn man bei einer Aufführung wie Spring Awakening beteiligt ist. Und am Ende werden wir miteinander - ZuschauerInnen und alle Clubs und Chöre - eine kleine Aufführung performen, die aber noch nicht verraten wird.