Alexander von Säbel + Sophia Platz in Kabale und Liebe
Foto: Thomas Häntzschel

Infiziert vom Theater

Interview mit Alexander von Säbel
Ferdinand von Walter, Heinrich von Kleist und Walfänger Stubb - der Neue im Schauspiel-Ensemble spielt große Helden der Weltliteratur  

Sie sind neu in Rostock - wie fühlen Sie sich hier?
Alexander von Säbel: Rostock ist für mich kein unbekanntes Pflaster. Ganz im Gegenteil. Meine Eltern kommen aus Rostock, mein Opa ist hier zu See gefahren, meine Omas haben beide am Hafen gearbeitet und mein Vater hat in der Neptunwerft seinen Schiffsbaumeister gemacht. Ein Teil meiner Familie wohnt heute noch hier. Also ich würde mich zumindest zur Hälfte als Kind der Küste bezeichnen (lacht). Dass ich aber jetzt hier lebe und arbeite, ist nochmal eine völlig neue Erfahrung für mich. Ich freue mich, endlich die Stadt und ihre Menschen im Alltag zu erleben. Der Strand ist schön und die Hanse-Sail ist bunt, aber Rostock hat noch viel mehr zu bieten und ich bin gespannt, wie viel ich davon entdecken werde. 

Nach dem Abitur haben Sie zunächst Philosophie und Literaturwissenschaft studiert, bevor Sie noch ein Schauspielstudium drauflegten. Wie kam’s?
Alexander von Säbel: In einem alten Freundebuch aus meiner Grundschulzeit steht unter der Frage Was ist dein Traumberuf? die Antwort Schauspieler oder Büdchenbesitzer (rheinländisch für Kioskbesitzer). Letzteres kann ich immer noch werden (lacht). Also anscheinend begleitet mich der Wunsch, auf der Bühne zu stehen, schon sehr lange. Wirklich konkret wurde es dann aber erst während meines ersten Studiums. Ich habe in den Semesterferien am Düsseldorfer Schauspielhaus hospitiert und als ich wieder zum neuen Semester nach Erfurt zurück musste, war ich infiziert. Ich war begeistert vom Theater. Ich war begeistert vom Schauspiel, wollte aber weder als Regisseur noch als Dramaturg arbeiten. In meiner Vorstellung wäre es eine Qual gewesen, mir Leute angucken zu müssen, zu denen ich selber gehören möchte. Glücklicherweise kam dann alles, wie es sollte. Ich habe vorgesprochen und konnte Schauspiel studieren.  

Philosophie und Theater - gibt es da für Sie einen Zusammenhang?
Alexander von Säbel: Ein sehr komplexes Thema... Ich glaube, die Philosophie versucht, die Welt und die menschliche Existenz zu ergründen, zu deuten und ihre Strukturen zu verstehen. Das Theater versucht ähnliches. Bei beiden existiert aber nicht die eine Lösung, es gibt kein richtig oder falsch, es ist ein ständiger Prozess zwischen unterschiedlichen Auffassungen und Sichtweisen. Beides sind also Bereiche, in denen es keinen Stillstand gibt, die sich immer weiterentwickeln. 

Die Rostocker können Sie in dieser ihrer ersten Spielzeit am Volkstheater gleich in drei Stücken erleben…
Alexander von Säbel: Mein erstes Stück in Rostock war Moby Dick. Dort übernahm ich gleich mehrere Rollen - einen Propheten, einen Schiffseigner, einen Schiffskapitän - aber die meiste Zeit war ich Stubb, der zweite Steuermann auf dem Walfangschiff. In Einige Nachrichten an das All darf ich keinen geringeren als den Autor Heinrich von Kleist spielen. Für Kleist beginnt das Stück, nachdem er sich am Wannsee in den Kopf geschossen hat. Anstatt aber endlich weg zu sein, landet er in einer bunten, wirren Unterhaltungs-Talkshow, in der er ein Wort ins All sprechen soll. Was ihn zur Verzweiflung treibt. Und seit dem 26. Januar bin ich auch als Ferdinand von Walter in Schillers Kabale und Liebe zu sehen. Ferdinand ist ein stürmischer, aufbrausender junger Mann. Mit seiner Liebe zum Bürgermädchen Luise sprengt er als Adeliger jede gesellschaftliche Konvention. Seinen Anspruch ans Leben verfolgt er mit einer Vehemenz, die an blinden Starrsinn grenzt, ohne zu merken, was um ihn herum eigentlich passiert. Die äußeren Umstände, allen voran die Intrigen seines Vaters, bringen Seiten an ihm hervor, die er nicht mehr kontrollieren kann. So stürzt er sich und andere ins Verderben.
Und im April steht Alexander von Säbel zum ersten Mal auf der Bühne der Kleinen Komödie Warnemünde - gemeinsam mit Juschka Spitzer - in Sechs Tanzstunden in sechs Wochen.